02.10.2018, 11:01 Uhr

Washington (AFP) Ehemaliger Studienfreund wirft Kavanaugh Lüge über Alkoholkonsum vor

US-Präsident Donald Trump. Quelle: AFP/Jim WATSON (Foto: AFP/Jim WATSON)US-Präsident Donald Trump. Quelle: AFP/Jim WATSON (Foto: AFP/Jim WATSON)

Trump-Kandidat für Richterposten wegen sexueller Gewalt weiter unter Druck

Neue Vorwürfe gegen den Richterkandidaten von US-Präsident Donald Trump: Ein ehemaliger Studienkollege hat Brett Kavanaugh bezüglich seines früheren Alkoholkonsum der Lüge bezichtigt. Chad Ludington sagte Reportern am Montag (Ortszeit), Kavanaugh habe "nicht die Wahrheit gesagt, als er die Möglichkeit abstritt, dass er jemals vom Trinken einen Blackout hatte, und als er das Ausmaß und die Häufigkeit seines Trinkens herunterspielte". Nach den Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe steht nun auch der Vorwurf im Raum, Trumps Kandidat für das höchste US-Gericht sei ein Lügner.

Bereits am Sonntag hatte Ludington Trumps Kandidaten für den frei gewordenen Richterposten am Obersten Gericht der USA vorgeworfen, im betrunkenen Zustand "kampflustig und aggressiv" gewesen zu sein. Der Professor an der North Carolina State University fügte hinzu, die Information habe er an die US-Bundespolizei FBI weitergeleitet.

Die "New York Times" berichtete unterdessen von einer gewalttätigen Auseinandersetzung in einer Bar in New Haven im Bundesstaat Connecticut im Jahr 1985. Kavanaugh, der damals an der dortigen renommierten Yale-Universität studierte, wurde dazu seinerzeit von der Polizei befragt, es kam jedoch nicht zu einer Anzeige. Er soll Eiswürfel auf einen Kommilitonen geworfen haben; ein Freund Kavanaughs soll den Kommilitonen mit einem Glaswurf am Ohr verletzt haben.

Das FBI begann US-Medien zufolge mit der Befragung von Mark Judge, dem besten ehemaligen Freund von Kavanaugh. Nach Aussagen der Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford soll er zugegen gewesen sein, während Kavanaugh sie vor 36 Jahren während einer Teenager-Party zu vergewaltigen versuchte.

Blasey Ford hatte dem Justizausschuss des Senats am Donnerstag ausführlich darüber berichtet. Kavanaugh hatte bei der Anhörung die Vorwürfe sexueller Gewalt ebenso zurückgewiesen wie den Vorwurf, er habe ein Alkoholproblem.

Trump stellte sich am Montag hinter Kavanaugh, bescheinigte ihm aber zugleich ein "kleines Problem" mit Alkohol in der Vergangenheit. "Ich war überrascht, wie lautstark er sich zu der Tatsache äußerte, dass er Bier mag", sagte Trump im Weißen Haus. Sein Wunschkandidat für das Oberste Gericht habe nicht behauptet, "perfekt in Bezug auf Alkohol" gewesen zu sein, fügte Trump hinzu.

Der US-Präsident stellte zudem die neuerliche Untersuchung des FBI zu den Vorwürfen sexueller Übergriffe infrage: "Ich denke, es ist sehr unfair, solche Dinge hoch zu ziehen." Das FBI solle alles dafür tun, eine Antwort auf die Anschuldigungen zu finden. Dies solle aber "schnell geschehen" und nicht zu einer "Hexenjagd" werden.

Der Justizausschuss hatte Kavanaughs Ernennung für den frei gewordenen Posten am Obersten Gericht am Freitag mit der knappen Mehrheit der republikanischen Senatoren zugestimmt. Zugleich forderte er eine erneute Untersuchung des FBI, die bis Freitag abgeschlossen sein soll.

Trump willigte in die Forderung ein. Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, sagte, das Senatsplenum werde "diese Woche" endgültig über Kavanaugh abstimmen. Die Republikaner stellen 51 Senatoren, die Demokraten 49.

Kavanaugh sieht sich mit Vorwürfen von drei Frauen zu sexuellen Übergriffen während seiner High-School- und Studienzeit konfrontiert. Seine geplante Ernennung zum Obersten Richter auf Lebenszeit ist in den USA längst zu einem Politikum vor den im November anstehenden Teilwahlen zum US-Kongress geworden. Sie würde einen deutlichen Rechtsruck des Supreme Court bedeuten.

Sollten die Republikaner bei den Teilwahlen ihre Mehrheit im Senat an die Demokraten verlieren, hätte Kavanaugh wohl keine Chance mehr auf eine Ernennung zum Richter.


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