02.10.2018, 11:38 Uhr

Jakarta (AFP) Zahl der Toten durch Erdbeben und Tsunami in Indonesien steigt auf mehr als 1230

Zerstörte Gebäude in Palau. Quelle: AFP/Mohd RASFAN (Foto: AFP/Mohd RASFAN)Zerstörte Gebäude in Palau. Quelle: AFP/Mohd RASFAN (Foto: AFP/Mohd RASFAN)

Forscher suchen Gründe für die Verheerungen

Nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe auf der indonesischen Insel Sulawesi ist die Zahl der Toten nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde auf mehr als 1230 gestiegen. Zu den Opfern zählen auch mindestens 34 Bibelschüler, deren Leichen aus den Trümmern einer zerstörten Kirche von Sulawesi geborgen wurden. Unterdessen wurde das Land am Dienstag erneut von zwei schweren Beben erschüttert.

Es gebe mittlerweise mindestens 1234 Todesopfer, teilte die Katastrophenschutzbehörde am Dienstag mit. Über 61.000 Menschen seien obdachlos. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind mindestens 191.000 Menschen auf Nothilfe angewiesen.

Die Opferzahl der Katastrophe vom vergangenen Freitag dürfte aber noch weiter steigen: Das Schicksal von tausenden Bewohnern abgelegener Gebiete ist immer noch unklar. Wegen der zerstörten Straßen haben die Helfer Mühe, zu ihnen vorzudringen. Vielerorts fehlt es zudem an schwerem Gerät, um Trümmer wegzuschaffen, unter denen noch Verschüttete vermutet werden.

Zuletzt fanden Bergungsteams in den Trümmern des Jonooge Church Training Centre im bergigen Bezirk Sigi Biromaru die Leichen von 34 Bibelschülern. Die Kirche war nach dem Erdbeben von einer Schlammlawine verschüttet worden. Auch dort könnte die Opferzahl noch steigen, weil nach Angaben des Roten Kreuzes zunächst 86 Bibelschüler als vermisst gemeldet wurden.

Zwar traf inzwischen auch Hilfe aus dem Ausland ein, doch nach wie vor sind Lebensmittel und Wasser knapp, die Krankenhäuser überfüllt. In der vom Tsunami verwüsteten Küstenstadt Palu tolerierten die Behörden zunächst, dass Überlebende Geschäfte plünderten, um sich mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Seit Dienstag aber geht die Polizei verschärft gegen Plünderer vor; unter anderem nahm sie 35 Menschen fest, die Computer und Bargeld aus den Ladenkassen gestohlen hatten. "Lebensmittellieferungen sind eingetroffen, es gibt Geldautomaten. Wer stiehlt, wird festgenommen", sagte Indonesiens Vize-Polizeichef Ari Dono Sukmanto.

Hunderte Kilometer südlich von Sulawesi wurde die Insel Sumba von zwei neuen Beben der Stärke 5,9 und 6,0 erschüttert. Berichte über schwere Schäden lagen aber zunächst nicht vor. Indonesien mit seinen rund 17.000 Inseln liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, an dem tektonische Platten aufeinander stoßen. Erdbeben sind dort besonders häufig.

Forscher fragen sich allerdings, warum die Verwüstungen des Bebens und anschließenden Tsunamis am Freitag so verheerend ausfielen. Sie haben mehrere Erklärungen.

So könnte die lange, enge Bucht vor Palu einen Einfluss auf Größe und Macht der Flutwellen gehabt haben. "Die Bucht wirkte wie ein Trichter, in den die Flutwellen eintraten", sagte die französische Expertin Anne Soquet der Nachrichtenagentur AFP.

Das Beben ereignete sich zudem in der Nähe der Küste - und könnte eine Art Erdrutsch unter Wasser ausgelöst haben - möglicherweise am "Eingang der Bucht oder sogar in der Bucht", sagte die australische Forscherin Jane Caneen. Für diese These spreche, dass die Flutwellen in Palu deutlich höher ausfielen als in den angrenzenden Küstengebieten. "Mit unseren Tsunami-Warnsystemen lassen sich derartige Vorkommnisse leider nur schwer vorhersagen."

Dass bei dem Beben so viele Gebäude einstürzten, könnte laut den Forschern an der sogenannten Bodenverflüssigung liegen. Vor allem in flachen Küstengebieten mit hohem Grundwasserspiegel können sich bei starken Erschütterungen sandige Bodenschichten "verflüssigen" - die Böden werden durch wachsenden Wasserdruck in ihren Poren zu Brei, Häuser verlieren ihren Halt und befestigte Pisten platzen auf. Dies war auch der Grund für die Verheerungen nach dem Beben im neuseeländischen Christchurch im Jahr 2011.


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