01.10.2018, 11:44 Uhr

Berlin (AFP) Deutschlands Wirtschaft begrüßt Nafta-Neuauflage

Kanadische und US-Flagge. Quelle: AFP/Archiv/Lars Hagberg (Foto: AFP/Archiv/Lars Hagberg)Kanadische und US-Flagge. Quelle: AFP/Archiv/Lars Hagberg (Foto: AFP/Archiv/Lars Hagberg)

"Abkommen ohne Kanada hätte deutsche Unternehmen empfindlich getroffen"

Die deutsche Wirtschaft hat die Einigung der USA auf ein neues Handelsabkommen mit Kanada und Mexiko mit Erleichterung aufgenommen. "Ein Abkommen ohne Kanada hätte Wertschöpfungsnetzwerke im gesamten Nafta-Raum beschädigt und deutsche Unternehmen empfindlich getroffen", erklärte am Montag der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Joachim Lang. Eine "genaue Prüfung" des Vertragstextes werde zeigen, ob der Handel auch in Zukunft wie unter Nafta ungestört ablaufen kann oder neue Handelsbarrieren hochgezogen werden.

Auch der Außenhandelsverband BGA begrüßte das Abkommen in letzter Minute als "Lichtblick" in unruhigen Zeiten, in denen Protektionismus wieder salonfähig geworden sei. "Die Einigung ist ein Fingerzeig, dass es anscheinend doch noch möglich ist, mit der Trump-Administration Abkommen zu schließen, die den Handel erleichtern", erklärte BGA-Präsident Holger Bingmann. Auch er warnte, es bleibe abzuwarten, ob das neue Abkommen das alte vollwertig ersetzen könne.

Das Abkommen mit Namen USA-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) wecke die Hoffnung für die Verhandlungen der USA mit der EU über ein neues Freihandelsabkommen, erklärte Bingmann. Ein solches Abkommen werde dringend gebraucht, um weiteren Handelsstreitigkeiten vorzubeugen.

Die EU zeigte sich erfreut über die in Washington erzielte Einigung. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, nun warte Brüssel auf weitere Details: "Wir werden uns die Einigung anschauen."

Die USA und Kanada hatten sich in der Nacht zum Montag (MESZ) in letzter Minute auf eine Neuauflage des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) geeinigt. Der fast 25 Jahre alte Nafta-Vertrag soll durch die neue Vereinbarung USMCA ersetzt werden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) urteilte, die Veränderungen gegenüber Nafta hielten sich in Grenzen. Die Einigung spiele vor allem US-Präsident Donald Trump in die Karten. Für Trump sei sie – kurz vor den wichtigen US-Halbzeitwahlen – ein weiterer Punkt auf der Haben-Seite. "Auch für die Präsidentschaftswahl in zwei Jahren dürfte ihm die erfolgreiche Nafta-Neuverhandlung Stimmen sichern, zusammen mit der Steuerreform und der Wiederbelebung der Stahlindustrie", erklärte das IW.


0 Kommentare