01.10.2018, 12:08 Uhr

Stockholm (AFP) Medizin-Nobelpreis für Krebsforscher aus den USA und Japan

Krebsforscher Honjo (l.) und Allison. Quelle: AFP/Sam YEH (Foto: AFP/Sam YEH)Krebsforscher Honjo (l.) und Allison. Quelle: AFP/Sam YEH (Foto: AFP/Sam YEH)

Krebstherapie durch Hemmung von negativen Immunreaktionen ausgezeichnet

Zwei Krebsforscher teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Medizin: Der US-Wissenschaftler James P. Allison von der Universität Texas und der japanische Forscher Tasuku Honjo von der Universität Kyoto werden für ihre Impulse für die Entwicklung der Krebsimmuntherapie ausgezeichnet, wie das Nobel-Komitee am Montag in Stockholm erklärte. Die beiden Wissenschaftler teilen sich das Preisgeld von neun Millionen schwedischen Kronen (870.000 Euro).

"Durch die Stimulierung der Fähigkeit unseres Immunsystems, Krebszellen anzugreifen, haben die diesjährigen Nobelpreisträger ein ganz neues Verfahren der Krebsbehandlung begründet", hieß es in der Begründung des Nobel-Komitees.

Im Fokus der Forschung der beiden Wissenschaftler stehen dabei Proteine auf der Oberfläche von Zellen des Immunsystems. Diese Proteine hemmen üblicherweise die körpereigene Zerstörung von Krebszellen. Werden sie blockiert, wird die "Proteinbremse" ausgehebelt, was dem Körper eine schnellere Immunreaktion auf den Krebs ermöglicht.

Dieser Therapieansatz habe die "Krebsbehandlung revolutioniert" und den Blick darauf, wie Krebs behandelt werden kann, "grundlegend verändert", erklärte das Nobel-Komitee.

Bereits 1995 entdeckte Allison das hemmenden Protein CTLA-4 auf T-Zellen. Es ist für die Regulierung des Immunsystems wichtig. T-Zellen gehören zu den Lymphozyten, die ein zentraler Baustein des menschlichen Immunsystems sind.

Allison habe das Potenzial einer Enthemmung des Proteins und damit seiner Entfesselung im Kampf gegen Krebszellen erkannt, erklärte das Nobel-Komitee. Etwa zur selben Zeit entdeckte Honjo das Oberflächenprotein PD-1, das ähnliche Eigenschaften hat. Die Forschung führte zur breiten Anwendung von Antikörpern in der Krebsmedizin und deren Zulassung als Medikamente.

"Mehr als 100 Jahre lang haben Wissenschaftler versucht, das Immunsystem im Kampf gegen Krebs einzubinden. Doch bis zu den bahnbrechenden Entdeckungen der beiden Preisträger war die Entwicklung bescheiden", erklärte das Nobel-Komitee.

Bereits in der Vergangenheit waren Krebsforscher mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet worden - darunter Arbeiten zur Hormontherapie gegen Prostatakrebs (1966), Chemotherapie (1988) und Knochenmarkstransplantation (1990).

Allison erklärte auf der Website seines Krebsforschungszentrums, er fühle sich "geehrt und demütig" angesichts der Auszeichnung. Forscherkollege Honjo erklärte, er werde weiter an der Erforschung der Immuntherapie arbeiten, damit diese "mehr Krebspatienten denn je retten" kann. Er freue sich "riesig", wenn Menschen ihm sagten, sie seien wegen seiner Forschung genesen. "Natürlich war ich sehr froh, begeistert und gleichzeitig völlig überrascht" angesichts der Auszeichnung mit dem Nobelpreis.

Die Immunonkologie gilt nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft als eine der großen Hoffnungsträgerinnen der Krebstherapie. Dabei wird das Immunsystem als das Instrument des Körpers zur Bekämpfung von Erregern und geschädigten Zellen gezielt gegen Krebszellen aktiviert. Erfolge seien vor allem beim schwarzen Hautkrebs und fortgeschrittenem Lungenkrebs erzielt worden.

Im vergangenen Jahr hatten die drei US-Wissenschaftler Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young den Preis für ihre Forschungen zur inneren Uhr des Menschen und anderer Lebewesen erhalten. Die Zeremonie zur Verleihung der Nobelpreise findet in jedem Jahr am 10. Dezember im Rathaus von Stockholm statt.


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