30.09.2018, 12:22 Uhr

Skopje (AFP) Mazedonier stimmen über neuen Landesnamen an

Plakate in Skopje werben für den neuen Namen. Quelle: AFP/Robert ATANASOVSKI (Foto: AFP/Robert ATANASOVSKI)Plakate in Skopje werben für den neuen Namen. Quelle: AFP/Robert ATANASOVSKI (Foto: AFP/Robert ATANASOVSKI)

Umbenennung in Nord-Mazedonien soll jahrzehntelangen Streit mit Athen beenden

Mazedonien steht vor einer historischen Entscheidung: Die Bürger des Balkanstaats haben am Sonntag über eine Umbenennung ihres Landes in Republik Nord-Mazedonien abgestimmt. Mit dem Referendum soll ein jahrzehntelanger Namensstreit mit dem Nachbarland Griechenland beigelegt werden. Beide Seiten hatten Mitte Juni ein Abkommen unterzeichnet und darin den neuen Namen für Mazedonien festgelegt.

Für die Bürger des ehemaligen jugoslawischen Teilstaats ist die Entscheidung über die Umbenennung ein emotionaler Moment. Der Streit über den Landesnamen schwelt seit der Unabhängigkeit Mazedoniens im Jahr 1991.

Athen befürchtete, der Nachbarstaat könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erheben. Wegen des Konflikts blockierte Griechenland bislang eine Aufnahme Mazedoniens in EU und Nato. Mit der Umbenennung soll diese Hürde nun überwunden werden.

Mazedoniens Regierungschef Zoran Zaev bezeichnete die Namensänderung als eine schmerzhaft Entscheidung, er sieht darin aber zugleich eine historische Chance für sein Land. "Heute ist ein schöner Tag", sagte er am Sonntag bei der Stimmabgaben in seiner Heimatstadt Strumica. "Heute entscheiden die Bürger über ihre Zukunft." Zaev hatte die Umbenennung im Juni mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ausgehandelt.

Das Referendum ist für die Regierung nicht bindend. Damit die Namensänderung in Kraft tritt, muss erst noch das Parlament in Skopje mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Danach ist das Parlament in Griechenland an der Reihe.

Griechenland hoffe auf ein "positives Ergebnis", sagte Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos in Athen. Ein Scheitern des Referendums würde neue "Unruhe" stiften.

Die Gegner der Umbenennung setzen darauf, dass bei der Volksabstimmung die Zielmarke von 50 Prozent verfehlt wird. Mazedoniens Staatschef Gjorge Ivanov bezeichnete die geplante Namensänderung kürzlich als "politischen Selbstmord". Er kündigte an, dass er nicht abstimmen werde, und er rief seine Landsleute auf, ihm bei dem Boykott zu folgen.

Wenige Mazedonier sind begeistert über die geplante Umbenennung, die Aussicht auf eine Westbindung des Landes und die damit verbundene Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung sind aber gewichtige Argumente des Ja-Lagers. "Das Referendum wird etwas verändern, wenn es die Türen zu Europa und zur Nato öffnet", sagte die Rentnerin Olivera Argirovska in der Hauptstadt Skopje.

Die Verhandlungen mit Athen seien zwar nicht gerecht verlaufen, sagte der 25-jährige Abedin Memeti. Der Zugang zur EU und zur Nato "ist aber wichtiger für uns alle". Das Ergebnis der Abstimmung wurde für Sonntagabend erwartet.


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