30.09.2018, 12:20 Uhr

Jakarta (AFP) Mehr als 800 Tote und Massenbeisetzungen nach Tsunami in Indonesien


Vizepräsident befürchtet "tausende" Tote - Ein Deutscher in Sicherheit gebracht

Zwei Tage nach dem verheerenden Tsunami infolge eines Erdbebens ist auf der indonesischen Insel Sulawesi das Ausmaß der Tragödie noch nicht absehbar. Die Zahl der Toten stieg am Sonntag nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde auf mehr als 830. Vizepräsident Jusuf Kalla befürchtete jedoch "tausende" Tote. Die Behörden ordneten Massenbeisetzungen an. Verzweifelte Bewohner plünderten auf der Suche nach Essen und Wasser Geschäfte.

"Die Opferzahl wird weiter steigen", sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho. Die meisten Toten wurden nach Behördenangaben bisher in der Küstenstadt Palu gezählt, die von anderthalb Meter hohen Wellen getroffen worden war. Viele Regionen waren aber auch am Sonntag noch nicht erreichbar. Die endgültige Zahl der Toten könnte deshalb in die "tausende" gehen, sagte Vizepräsident Kalla.

Hilfsorganisationen und örtliche Einsatzkräfte hätten es schwer, in verschiedene Ortschaften in der Küstenregion Donggala zu gelangen, sagte Tom Howells von Save The Children. Dort würden große Schäden und viele Opfer vermutet. Nahe Donggala lag das Epizentrum des Bebens vom Freitag.

Auch in der schwer getroffenen Stadt Palu mit 350.000 Einwohnern gestalteten sich die Rettungsarbeiten mangels geeigneter Ausrüstung schwierig. "Schweres Gerät ist beschränkt verfügbar, es gibt nicht genug für die Zahl der eingestürzten Häuser", sagte Katastrophenschutz-Sprecher Nugroho. Allein unter den Trümmern eines Hotels wurden noch 50 bis 60 Gäste befürchtet.

Zum Zeitpunkt des Erdbebens hatten sich seinen Angaben zufolge 71 Ausländer in Palu aufgehalten. Die meisten seien in Sicherheit, darunter auch ein Deutscher. Vermisst wurden demnach noch drei Franzosen, ein Malaysier und ein Südkoreaner.

Indonesiens Präsident Joko Widodo machte sich am Sonntagnachmittag vor Ort ein Bild der Tragödie. Er forderte das Militär nach Angaben seines Büros auf, "Tag und Nacht zu arbeiten", um die Bergungsarbeiten voranzutreiben.

Der schwer beschädigte Flughafen von Palu wurde für Hilfslieferungen wieder geöffnet - allerdings nur für Piloten, die auf Sicht landen können. Neben überfüllten Krankenhäusern wurden Verletzte auch unter freiem Himmel behandelt. Im Hof eines Krankenhauses lagen bei brütender Hitze dutzende in Säcke gehüllte Leichen.

In der Bevölkerung wuchs die Verzweiflung: "Wir haben nichts zu essen, nichts", sagte ein Mann, der einen Supermarkt plünderte. "Die Situation zwingt uns dazu, das zu tun, wir brauchen alles", berichtete ein Jugendlicher. Säckeweise trugen Menschen Lebensmittel aus Geschäften. Die Behörden kündigten an, die Inhaber zu entschädigen und Plünderer nicht zu bestrafen.

Viele Bewohner von Palu zimmerten sich notdürftige Unterkünfte oder schliefen aus Angst vor weiteren Beben im Freien. Vielerorts gab es keinen Strom.

Die Hilfsorganisation Caritas stellte 100.000 Euro Soforthilfe bereit. Die Diakonie Katastrophenhilfe rief zu Spenden auf. Die Organisation World Vision schickte nach eigenen Angaben Nothilfe-Teams; Mitarbeiter verteilten Nahrung für Kleinkinder.

Angesichts der Tragödie sprach Bundesaußenminister Heiko Maas von "erschütternden Nachrichten". Er wünsche "allen Menschen in Indonesien in diesen schweren Stunden Kraft und Zuversicht", erklärte er. Die EU habe den indonesischen Behörden ihre "volle Unterstützung" angeboten, erklärten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in einer gemeinsamen Mitteilung.


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