29.09.2018, 10:14 Uhr

Berlin (AFP) Schulz warnt vor Politisierung des Islam durch Moscheeverband Ditib

Zentralmoschee in Köln. Quelle: AFP/Patrik STOLLARZ (Foto: AFP/Patrik STOLLARZ)Zentralmoschee in Köln. Quelle: AFP/Patrik STOLLARZ (Foto: AFP/Patrik STOLLARZ)

Prominente Kölner kritisieren Erdogan - Ditib bedauert Veranstaltungsabsage

Vor der Einweihung der Zentralmoschee des Moscheeverbands Ditib in Köln durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat der SPD-Politiker Martin Schulz vor einer Politisierung des Islam durch den Verband gewarnt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) müsse Erdogan bei der Eröffnung der Moschee "darauf hinweisen, dass Ditib keinerlei Politisierung des Islam betreiben darf", sagte Schulz der "Rheinischen Post" vom Samstag.

"Täte es diese staatliche Religionsbehörde trotzdem, wäre Deutschland gezwungen, Ditib nachrichtendienstlich zu beobachten", warnte der frühere SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat. Ditib steht seit längerem wegen enger Verbindungen zur türkischen Religionsbehörde Diyanet in Deutschland in der Kritik. Zuletzt gab es vermehrt Forderungen, den Dachverband der türkischen Moscheen vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen.

Dass Erdogan am Samstagnachmittag zu der Einweihung der Ditib-Zentralmoschee in Köln reist, bestätigt Kritiker in ihren Vorbehalten gegen den Verband. Die Publizistin Alice Schwarzer bezeichnete die "Mega-Moschee" in Köln als eine "gewaltige Propaganda-Zentrale" für die "anti-demokratische Politik" Erdogans. Die freiheitsliebenden Deutsch-Türken seien bedrückt über seinen Besuch, sagte Schwarzer dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Samstag.

Auch andere prominente Kölner kritisierten im "Kölner Stadt-Anzeiger" Erdogans Besuch in der Rhein-Metropole. "Meine türkischstämmigen und muslimischen Freunde und ich heißen Sie in Köln nicht willkommen", sagte der Moderator Jürgen Domian. Erdogan solle zunächst "sein Land in Ordnung bringen" und Repräsentanten des deutschen Staates nicht "als Nazis beschimpfen", dann könne er gerne wiederkommen.

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) forderte Erdogan zur Freilassung der "politischen Gefangenen" und zur Wiederherstellung der Meinungsfreiheit auf, wenn er die deutsch-türkische Partnerschaft wiederbeleben wolle. Der Publizist Günter Wallraff warnte, wenn Erdogan weiter "alle Probleme in der Türkei mit staatlicher Gewalt aus der Welt" zu schaffen versuche, werde er sein Land in eine Diktatur verwandeln.

Der Ditib-Verband reagierte unterdessen "mit Bedauern" auf die Absage der Außenveranstaltung an der Moschee. Ditib könne "die Begründungen nicht nachvollziehen", hieß es am Samstag auf der Facebook-Seite des Moscheeverbands. Der Verband werde der Anordnung indes "gemäß unseres Respektes gegenüber dem Recht" folgen. Die Stadt Köln hatte die Außenveranstaltung mit bis zu 25.000 erwarteten Besuchern an der Moschee am Freitag wegen Sicherheitsbedenken abgesagt.


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