29.09.2018, 12:23 Uhr

Palu (AFP) Hunderte Todesopfer durch Erdbeben und Tsunami auf indonesischer Insel Sulawesi


Höhere Opferzahl erwartet - Präsident entsendet Militär in Katastrophenregion

Verheerende Naturkatastrophe in Indonesien: Nach einem Erdbeben auf der Insel Sulawesi hat ein Tsunami mindestens 384 Menschen in den Tod gerissen. 540 Menschen seien schwer verletzt worden, teilte die indonesische Katastrophenschutzbehörde am Samstag mit. Die Behörde warnte, dass die Opferzahlen sich wahrscheinlich noch erhöhen würden. Die Krankenhäuser in der Provinzhauptstadt Palu konnten nur mit Mühe die hunderten Verletzten versorgen, nachdem bis zu 1,50 Meter hohe Wellen über die Stadt hereingebrochen waren.

Der Tsunami war am Freitag von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,5 vor der Küste von Sulawesi ausgelöst worden. Das Epizentrum lag knapp 80 Kilometer nördlich von Palu, der Hauptstadt der Provinz Zentralsulawesi. Das Beben war so stark, dass es noch in mehreren hundert Kilometern Entfernung auf der benachbarten Insel Borneo zu spüren war. Es ereignete sich kurz vor dem Freitagsgebet in dem mehrheitlich muslimischen Land.

Ein AFP-Fotograf berichtete von dutzenden Leichen in den Straßen der 350.000-Einwohner-Stadt Palu. Videoaufnahmen zeigten, wie die Flutwelle über Palu hereinbrach und zahlreiche Gebäude zum Einsturz brachte sowie eine große Moschee überschwemmte. Ein Hotel wurde dem Erdboden gleichgemacht, eine wichtige Brücke stürzte ein.

Indonesiens Präsident Joko Widodo erklärte, das Militär werde in die Region entsandt, um Rettungsmannschaften bei der Suche nach Überlebenden und der Bergung von Leichen zu helfen.

Jan Gelfland von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften sprach von einer "schreckenerregenden Doppelkatastrophe". Aus der nördlich von Palu gelegenen Region Donggala, in der mehr als 300.000 Menschen leben, gebe es bisher kaum Nachrichten. "Dies ist bereits eine Tragödie, aber es könnte noch viel schlimmer werden", warnte Gelfland.

Krankenhäuser waren völlig überlastet wegen der großen Zahl der Verletzten. Viele Menschen mussten unter freiem Himmel behandelt werden. Nach dem Tsunami musste der wichtigste Flughafen in Palu geschlossen werden, was die Katastrophenhilfe erschwerte. Eine Hauptzufahrtsstraße zur Stadt war nach Erdrutschen blockiert.

Bundesaußenminister Heiko Maas sprach von "erschütternden Nachrichten". Er wünsche "allen Menschen in Indonesien in diesen schweren Stunden Kraft und Zuversicht", erklärte er. Die EU habe den indonesischen Behörden ihre "volle Unterstützung" angeboten, erklärten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in einer gemeinsamen Mitteilung und sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.

Die Hilfsorganisation Caritas stellte nach eigenen Angaben 100.000 Euro Soforthilfe bereit. Ein Team sei unterwegs, "um den genauen Bedarf" an Hilfsgütern zu ermitteln. Erschwert würden die Hilfen, weil das örtliche Telekommunikationsnetz zusammengebrochen sei, hieß es.

Das aus zahlreichen Inseln bestehende Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, an dem tektonische Platten aufeinander stoßen. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind dort besonders häufig. An Weihnachten 2004 hatte ein Beben der Stärke 9,3 vor der westindonesischen Insel Sumatra einen Tsunami ausgelöst, der in der Region insgesamt 220.000 Menschen tötete, davon 168.000 in Indonesien.

Bei einer Erdbebenserie von Ende Juli bis Anfang August waren auf der indonesischen Insel Lombok 555 Menschen ums Leben gekommen. Fast 1500 weitere wurden verletzt.


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