28.09.2018, 09:30 Uhr

Berlin (AFP) Medien: Erdogan fordert Auslieferung von Dündar und anderen Aktivisten

Can Dündar. Quelle: AFP/Archiv/JOEL SAGET (Foto: AFP/Archiv/JOEL SAGET)Can Dündar. Quelle: AFP/Archiv/JOEL SAGET (Foto: AFP/Archiv/JOEL SAGET)

Türkischer Präsident soll vor Besuch Merkel Liste übergeben haben

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert laut deutschen und türkischen Medienberichten von der Bundesregierung die Auslieferung des Journalisten Can Dündar und von 68 weiteren Aktivisten. Die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Akit" berichtete am Freitag, Erdogan habe drei Tage vor seinem Besuch in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Liste geschickt, auf der auch der frühere "Cumhuriyet"-Chefredakteur Dündar stehen soll.

NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichteten ihrerseits, am Montag sei eine Verbalnote beim Auswärtigen Amt eingegangen, in der die türkische Botschaft um die Festnahme und Auslieferung von Dündar wegen Spionage, Verrats von Staatsgeheimnissen und Propaganda bitte. Dündar war 2016 in der Türkei wegen eines Berichts über geheime Waffenlieferungen an islamistische Rebellen in Syrien zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Laut "Yeni Akit" finden sich auf der Liste mutmaßliche Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, die Ankara für den gescheiterten Staatsstreich von Juli 2016 verantwortlich macht. So sollen auf der Liste die früheren Staatsanwälte Zekeriya Öz und Celal Kara stehen, die im Dezember 2013 eine führende Rolle bei den Korruptionsermittlungen gegen das Umfeld Erdogan hatten.

Ebenfalls gesucht wird demnach der Theologiedozent Adil Öksüz, den die Führung in Ankara als einen der Drahtzieher des Putschversuchs ansieht. Auch mehrere frühere türkische Offiziere bei der Nato, die nach dem Putschversuch in Deutschland Asyl gesucht haben sollen, sollen sich auf der vom Geheimdienst MIT zusammengestellten Liste finden. Diese enthält dem Bericht zufolge Adressdaten sowie Fotos der Verdächtigen, die sie an den genannten Orten zeigen.

Die Türkei dringt bei der Bundesregierung schon lange auf ein verstärktes Vorgehen gegen die PKK und die Gülen-Bewegung und fordert die Auslieferung von PKK-Mitgliedern und Gülen-Anhängern, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben. Erdogan erneuerte diese Forderungen vor seinem Staatsbesuch in Berlin in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".


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