28.09.2018, 09:30 Uhr

Washington (AFP) US-Börsenaufsicht verklagt Elon Musk

Elon Musk. Quelle: AFP/Archiv/PETER PARKS (Foto: AFP/Archiv/PETER PARKS)Elon Musk. Quelle: AFP/Archiv/PETER PARKS (Foto: AFP/Archiv/PETER PARKS)

Tesla-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

Mit seinem Tweet über einen möglichen Rückzug des Elektroautobauers Tesla von der Börse hat sich Elon Musk eine Klage der US-Finanzmarktkontrolleure mit womöglich weitreichenden Konsequenzen eingehandelt. Die Börsenaufsicht SEC warf ihm am Donnerstag vor, Anleger in die Irre geführt zu haben und drängt auf eine Entmachtung des Unternehmenschefs. Obwohl Musk die Vorwürfe zurückwies und sich Tesla hinter seinen schillernden Chef stellte, brach die Aktie deutlich ein.

Musk hatte Anfang August mit einer Nachricht im Kurzbotschaftendienst Twitter für Wirbel gesorgt, wonach er einen Rückzug des Elektroautobauers von der Börse ins Auge fasse und die Finanzierung dafür "gesichert" sei. An den Aktienmärkten sorgte die unkonventionelle Ankündigung für Unruhe; die Tesla-Aktie legte um fast elf Prozent zu, woraufhin die New Yorker Börse den Handel mit den Papieren zeitweise aussetzte.

Ende August machte Musk dann einen Rückzieher: Hatte er zuvor noch argumentiert, dass die Unabhängigkeit des Unternehmens von der Gunst der Börsenanleger gut für Tesla sei, kündigte er in einem Blog-Eintrag an, der Verbleib an der Börse sei doch der "bessere Weg für Tesla".

Die SEC erklärte in ihrer bei einem Gericht in New York eingereichten Klageschrift nun, Musks Äußerungen zum Börsenrückzug seien "falsch und irreführend" gewesen. Gespräche zur Finanzierung seines Vorhabens mit möglichen Investoren hätten gar nicht stattgefunden.

Für Musks Zukunft als Unternehmer stellt die Klage eine ernsthafte Bedrohung dar: Die Börsenaufsicht fordert unter anderem Strafzahlungen - und auch ein mögliches Verbot für Musk, im Vorstand von börsennotierten Firmen zu arbeiten.

Stephanie Avakian, Leiterin der SEC-Vollzugsdirektion, bekräftigte die Anschuldigungen vor Journalisten. Demnach wusste der Tesla-Gründer, dass seine Ankündigungen ohne Grundlage gewesen seien. Er habe nicht einmal die Kernziele des Deals wie den Preis mit potenziellen Investoren besprochen.

Musk hingegen hatte Mitte August im firmeneigenen Blog geschrieben, er habe vor seinem Vorstoß Gespräche mit dem saudiarabischen Staatsfonds und weiteren Investoren geführt. Auf die Klage der Börsenaufsicht reagierte Musk am Donnerstag umgehend und wies die Anschuldigungen als "ungerechtfertigt" zurück. Das Vorgehen der SEC stimme ihn "tieftraurig und enttäuscht". Er habe immer im besten Interesse von "Wahrheit, Transparenz und der Investoren" gehandelt. Gegen diese Prinzipien habe er nie verstoßen.

"Integrität ist der wichtigste Wert in meinem Leben", erklärte Musk, der neben Tesla unter anderem auch das Raumfahrtunternehmen SpaceX leitet und der zuletzt mit einer Reihe emotionaler und teils erratischer Medienauftritte für Aufsehen gesorgt hatte - inklusive eines Bekenntnisses über Erschöpfungszustände und Schlafstörungen.

Der Tesla-Konzern stellte sich am Donnerstag hinter Musk. Der Vorstand habe "volles Vertrauen" in Musks "Integrität und seine Führung", erklärte das Unternehmen.

Tesla war 2010 an die Börse gegangen, Musk hält selbst knapp ein Fünftel der Anteile. Mit den Praktiken des Börsengeschäfts hat er jedoch immer wieder öffentlich gehadert.

Verärgerte Investoren hatten bereits wenige Tage nach der Ankündigung des Tesla-Chefs Klage vor einem US-Gericht eingereicht. Sie werfen Musk vor, durch seine Äußerungen zum Ende der Börsennotierung den Kurs der Tesla-Aktie künstlich in die Höhe getrieben und gezielt jene Anleger geschädigt zu haben, die auf einen Fall des Kurses gesetzt hatten.

Nach der Klage der SEC gab der Tesla-Kurs im nachbörslichen Handel um rund zehn Prozent nach und notierte bei 227,50 Dollar - rund 25 Prozent weniger als am Tag des umstrittenen Tweets.


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