27.09.2018, 16:03 Uhr

Essen (AFP) Thyssenkrupp plant Aufspaltung in zwei eigenständige Unternehmen

Logo von Thyssenkrupp. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger (Foto: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger)Logo von Thyssenkrupp. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger (Foto: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger)

Industriekonzern will Industriegüter- und Werkstoffgeschäfte trennen

Thyssenkrupp will sich aufspalten und den Industriekonzern dafür in zwei eigenständige Unternehmen aufteilen. Die Industriegüter- und die Werkstoffgeschäfte sollten künftig als "eigenständige, börsennotierte Gesellschaften mit direktem Kapitalmarktzugang geführt werden", teilte der Konzern am Donnerstag in Essen mit. Das werde dem Aufsichtsrat am Sonntag in einer außerordentlichen Sitzung vorgeschlagen. Thyssenkrupp stand seit Monaten unter dem Druck seiner Aktionäre, Tempo beim Konzernumbau zu machen.

Mit der Aufteilung in zwei "fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen" hoffe der Konzern, dass sich die jeweiligen Geschäfte besser entwickelten, hieß es. Die Teilung soll als Abspaltung erfolgen. Aktionäre sollen für eine Aktie künftig zwei erhalten - eine der Firma Thyssenkrupp Materials (die bisherige Thyssenkrupp AG) und eine der neuen Thyssenkrupp Industrials. Schulden und Pensionsverpflichtungen würden "angemessen auf beide Unternehmen verteilt", erklärte Thyssenkrupp.

Der Traditionskonzern wird derzeit von einer Führungskrise beherrscht. Anfang Juli war Konzernchef Heinrich Hiesinger mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Als Grund gab er unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Unternehmens an. Nur wenig später informierte Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner den Vorstand, dass er sein Mandat niederlegt und aus dem Aufsichtsrat ausscheidet. Sein Rückzug fachte Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns an.

"Die Welt ist nicht schwarz-weiß", erklärte nun der derzeitige Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff. "Es gibt nicht nur 'Weiter so' und Zerschlagung, sondern immer auch Alternativen, die der Verantwortung sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gerecht werden." Thyssenkrupp hatte zuletzt auch schwache Geschäftszahlen vorgelegt.

Thyssenkrupp Industrials mit etwa 90.000 Mitarbeitern soll ein reines Industriegüterunternehmen werden und aus drei Einheiten bestehen - dem Aufzuggeschäft, dem Automobilzulieferergeschäft und dem Kernanlagenbau. Thyssenkrupp Materials mit rund 40.000 Mitarbeitern soll ein Werkstoffkonzern werden, der die Stahl- und Edelstahlproduktion, den Materialhandel und die stahlnahe Weiterverarbeitung vereint.

Über die konkrete Teilung muss nach Zustimmung durch den Aufsichtsrat laut Unternehmen dann die Hauptversammlung entscheiden. Das könne "in 12 bis 18 Monaten geschehen", erklärte der Konzern. "Wir stehen zur Sozialpartnerschaft und zum Standort Nordrhein-Westfalen", erklärte Kerkhoff.

Zu möglichen genaueren Auswirkungen der Teilung auf die Mitarbeiter bei Thyssenkrupp machte der Konzern zunächst keine Angaben. An der Frankfurter Börse legte die Aktie am Nachmittag zwischenzeitlich um mehr als zwölf Prozent zu, nachdem die Pläne verkündet waren. Sie hatte zuvor schon positiv auf Gerüchte über die geplante Aufspaltung reagiert.


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