28.09.2018, 01:06 Uhr

Nyon (AFP) Deutschland erhält Zuschlag für Fußball-EM 2024

UEFA-Präsident Ceferin bei der Bekanntgabe. Quelle: AFP/Fabrice COFFRINI (Foto: AFP/Fabrice COFFRINI)UEFA-Präsident Ceferin bei der Bekanntgabe. Quelle: AFP/Fabrice COFFRINI (Foto: AFP/Fabrice COFFRINI)

Merkel: Werden "wunderbarer Gastgeber" sein

Deutschland richtet die Fußball-Europameisterschaft 2024 aus. Diese Entscheidung gab das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am Donnerstag im schweizerischen Nyon bekannt. Neben Deutschland hatte sich die Türkei um die Ausrichtung der EM beworben. Stattfinden wird die EM in Stadien in zehn Städten, darunter Berlin, München und Frankfurt am Main. Die Entscheidung fiel mit dem Auftakt zu einem dreitägigen Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland zusammen.

Mit der Entscheidung des UEFA-Komitees kommt nach dem "Sommermärchen" der Fußball-WM 2006 wieder ein Fußball-Großereignis nach Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Entscheidung.

"Ich freue mich sehr, dass sich die Vorarbeit gelohnt hat und wir heute den Zuschlag zur Europameisterschaft 2024 bekommen haben", sagte Merkel bei eine Veranstaltung der "Augsburger Allgemeinen" in Augsburg. "Ich bin ganz sicher, dass Deutschland ein wunderbarer Gastgeber sein wird", sagte Merkel laut einer Meldung der Zeitung auf ihrer Webseite.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) beglückwünschte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die künftigen EM-Städte zu ihrer "großartigen Bewerbung". Die EM werde die Gelegenheit sein zu zeigen, "wofür wir in Deutschland einstehen: für Weltoffenheit und Toleranz, für Freiheit und Respekt".

Maas begrüßte, dass der DFB die Europameisterschaft zum Anlasse nehme, als einer der ersten nationalen Fußballverbände eine Menschenrechtsstrategie in seine Satzung aufzunehmen. "Das ist in diesen Zeiten das richtige Signal", betonte der Außenminister.

Maas zollte auch der Türkei Anerkennung für ihre "hervorragende Bewerbung". Deutschland zähle fest auf die Menschen in der Türkei und auf die türkischstämmigen Menschen in Deutschland, "damit die EM ein Fußballfest für ganz Europa wird".

Der türkische Sportminister Muharrem Kasapoglu nannte es im Fernsehen "bedauerlich" für die UEFA, dass die Türkei den Zuschlag für die EM "trotz all ihrer Stärken" nicht erhalten habe. "Die Qualität und die Modernität unserer Einrichtungen und Stadien sind bekannt", sagte er. "Für die Euro 2024 ist es ein Verlust hinsichtlich der Erfahrung der Gastfreundschaft unseres Landes."

Der AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu, der in Deutschland aufgewachsen ist und der Erdogan bei seinem Deutschland-Besuch begleitet, bedauerte ebenfalls die UEFA-Entscheidung. "Nach drei erfolglosen Bewerbungen wäre die Türkei diesmal ein schöner Ort für (die) EURO2024 gewesen. Aber ich freue mich auch für Deutschland", schrieb Yeneroglu im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Das Turnier ist die zweite EM in Deutschland seit 1988, die Austragungsorte sind Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen und Frankfurt/Main. Der Bund der Deutschen Tourismuswirtschaft begrüßte die Vergabe: "Damit ist der Weg frei für ein Sommermärchen 2.0 in Deutschland" erklärte BTW-Generalsekretär Michael Rabe.

Die WM 2006 habe gezeigt, wie positiv sich ein solches Großereignis auf den Tourismusstandort Deutschland auswirke. Seit der WM 2006 sei die Zahl der Übernachtungen ausländischer Touristen in Deutschland nahezu ununterbrochen gestiegen - von 53 Millionen im Jahr 2006 auf 84 Millionen im vergangenen Jahr, erklärte Rabe.

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland betonte, der DFB und die deutsche Politik müssten "jetzt zeigen, wie ein solches Turnier in Bezug auf die vielfältigen Themen Anti-Korruption, Transparenz, Menschenrechte, Diversität, Anti-Doping und manipulationsfreien Sport vorbildlich ausgetragen werden kann".

Die Sport-Experten der Grünen-Bundestagsfraktion, Monika Lazar und Erhard Grundl, erklärten, eine Vergabe der EM an die Türkei "wäre vor dem Hintergrund der prekären Menschenrechtslage dort ein falsches Signal gewesen". Gleichzeitig sei aber "auch in Deutschland nicht alles Gold, was glänzt". So seien etwa die Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2006 "noch nicht vollumfänglich aufgeklärt". Daher müsse der DFB nun "die maximal mögliche Transparenz an den Tag legen".


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