27.09.2018, 14:05 Uhr

Düsseldorf (AFP) RWE-Chef kritisiert Waldbesetzer im Hambacher Forst scharf

Greenpeace-Aktion in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Quelle: dpa/AFP/Martin Oversohl (Foto: dpa/AFP/Martin Oversohl)Greenpeace-Aktion in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Quelle: dpa/AFP/Martin Oversohl (Foto: dpa/AFP/Martin Oversohl)

24-Jährige bei Sturz von Baumhaus verletzt - Greenpeace-Aktion in Staatskanzlei

Angesichts der massiven Proteste gegen die Rodungen im Hambacher Forst hat der Chef des Energiekonzerns RWE, Rolf Martin Schmitz, das Vorgehen einiger Kohlegegner scharf kritisiert. "Wer illegal den Wald besetzt und unsere Mitarbeiter mit Fäkalien bewirft, ist für mich kein Aktivist - das ist ein Straftäter", sagte Schmitz am Donnerstag dem "Handelsblatt". Der Hambacher Forst werde auch "zu Unrecht zum Symbol" im Streit um die Kohle gemacht.

"Der Wald ist schlichtweg nicht mehr zu retten, alles andere ist eine Illusion", sagte der RWE-Chef. Selbst wenn der Konzern den Tagebau in Hambach sofort stoppen würde, müsse der Wald gerodet werden. "Wir brauchen diese Erdmassen, um die Böschungen dauerhaft zu stabilisieren", sagte Schmitz.

Er machte zugleich die grundsätzliche Bereitschaft des Konzerns zum Kohleausstieg deutlich. "Wir sind doch selbst bereit auszusteigen", versicherte Schmitz. Für den langfristigen Ausstieg werde ein öffentlich-rechtlicher Vertrag benötigt. "Daran sind wir ja selbst interessiert und gesprächsbereit."

Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser erklärte, Schmitz ignoriere "provozierend kompromisslos den friedlichen Protest von vielen tausend Menschen für den Hambacher Wald und die erheblichen juristischen Zweifel daran, dass seine Zerstörung rechtens ist". Statt in diesem schärfer werden Konflikt den Kompromissvorschlag der Kohlekommission abzuwarten, eskaliere Schmitz weiter. Er müsse aber vielmehr "das Räumen und Roden stoppen, bis die Kohlekommission ihre Arbeit abgeschlossen hat".

Der Energiekonzern will Bäume im Hambacher Forst roden, um einen Braunkohletagebau zu erweitern. Umweltschützer wollen dies verhindern und fordern ein generelles Ende der Kohleverstromung. Seit Tagen räumt die Polizei in dem Wald Baumhäuser. Es wird noch mit einem wochenlangen Einsatz gerechnet.

Am Donnerstagmorgen verletzte sich laut Polizei eine 24-jährige Frau, weil sie von ihrem Baumhaus fünf bis sechs Meter in die Tiefe fiel. Sie wurde für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. Bis zum Mittwochabend räumte die Polizei 64 Baumhäuser.

Rund 40 Greenpeace-Aktivsten drangen ebenfalls am Donnerstagmorgen aus Protest gegen die geplanten Rodungen und die derzeitige Räumung im Hambacher Forst in die Düsseldorfer Staatskanzlei ein. Sie bauten dort nach Angaben von Polizei und der Umweltschutzorganisation kurzfristig Zelte auf und forderten ein Gespräch mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Die Aktion stand unter dem Motto "Reden statt roden". Aktivisten kletterten dabei auch auf das Vordach der Staatskanzlei und hängten ein Banner mit dieser Aufschrift auf.

"Wir fordern ein Moratorium für Räumung und Rodung", sagte Greenpeace-Klimaexperte Benjamin Stephan. Die Beteiligten müssten angesichts der "unerträglichen Situation" im Hambacher Forst an den Verhandlungstisch kommen. In der Düsseldorfer Staatskanzlei kam es am Donnerstag zu einem kurzen Gespräch der Greenpeace-Aktivisten mit Staatskanzleichef Nathanael Liminski.

Die Aktivisten verließen das Gebäude danach wieder. Es sei auch kein Strafantrag von der Staatskanzlei gestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Deswegen ermittelt die Polizei auch nicht wegen der Protestaktion.


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