27.09.2018, 11:03 Uhr

Berlin (AFP) Studie: CDU und CSU beliebteste Parteien der Zuwanderer

CDU-Logo. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen)CDU-Logo. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen)

SPD rutscht vor allem bei Türkeistämmigen in der Gunst deutlich ab

Die beliebtesten Parteien bei Menschen mit Migrationshintergrund sind einer Studie zufolge aktuell CDU und CSU. In einer Umfrage sagten 43,2 Prozent der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die Unionsparteien gefielen ihnen am besten, wie der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) am Donnerstag mitteilte. Gegenüber der vorangegangenen Erhebung 2016 verlor demnach die SPD, damals noch beliebteste Partei, 15,1 Prozentpunkte auf jetzt 25,0 Prozent.

Auch die Grünen verloren demnach und sanken in der Gunst der Befragten von 13,2 auf 10,0 Prozent. Für die Linken ergab sich laut SVR ein Rückgang von 11,3 auf 10,1 Prozent. Hingegen konnte die FDP zulegen (plus 2,8 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent), ebenso die AfD (plus 3,0 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent).

"Menschen mit Migrationshintergrund bevorzugen nicht länger mehrheitlich die Parteien links der Mitte", hieß es in der SVR-Auswertung. Das starke Minus bei der SPD sei "vor allem auf den deutlichen Vertrauensverlust bei den Türkeistämmigen zurückzuführen". Diese hätten 2016 noch zu knapp 70 Prozent die SPD als liebste Partei genannt. In der neuen Erhebung habe sich dieser Wert nahezu halbiert auf 37,0 Prozent. Dagegen verfünffachte sich die Zustimmung der Türkeistämmigen zur CDU/CSU auf 32,9 Prozent.

Auch bei Zuwanderern aus anderen EU-Staaten konnten die Unionsparteien demnach zulegen. Die gestiegenen Zustimmungswerte für die AfD sind der Studie zufolge vor allem auf einen deutlichen Anstieg bei den befragten (Spät-)Aussiedlern von 4,7 Prozent auf zwölf Prozent zurückzuführen. Die FDP verzeichnete in dieser Gruppe einen Anstieg von 0,7 Prozent auf 7,9 Prozent, die Linke von 11,5 Prozent auf 15,6 Prozent.

Der Sachverständigenrat wies darauf hin, dass in Deutschland mittlerweile mehr als jeder Fünfte einen Migrationshintergrund hat, bei den Wahlberechtigten sind es mehr als zehn Prozent. Damit bildeten die insgesamt 19 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland für die politischen Parteien ein wichtiges "Potenzial nicht nur an Wählerinnen und Wählern, sondern auch an Mitgliedern und Funktionsträgerinnen und -trägern".

Die Erhebung ist Teil des "Integrationsbarometers" des SVR. Dafür waren zwischen Juli 2017 und Januar 2018 knapp 9.300 Menschen befragt worden, davon rund 6500 mit Migrationshintergrund. Von letzteren waren 1438 (Spät-)Aussiedler, 1532 EU-Zuwanderer, 1479 Türkeistämmige sowie 1760 Zuwanderer aus übrigen Ländern.

Allerdings stieß die Befragung nach Angaben des Sachverständigenrats auf erhebliche methodische Probleme. So hätten 57,4 Prozent der Menschen, die telefonisch erreicht wurden, eine Teilnahme verweigert. Weitere 14,8 Prozent legten direkt auf, noch einmal 5,7 Prozent brachen die Befragung später ab. In weiteren Fällen kam ein Interview wegen Sprachproblemen nicht zustande. Letztlich sei nur in 6,4 Prozent der Fälle, in denen zu Migranten ein telefonischer Kontakt erreicht wurde, überhaupt ein auswertbares Interview zustande gekommen.

Die Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (SPD), schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, der Absturz der SPD sowie von Linken und Grünen "wundert mich nicht". Die drei Parteien hätten alle "wenig bis nichts gemacht, um Migranten für uns zu gewinnen". Dies müsse sich ändern.


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