26.09.2018, 18:17 Uhr

Washington (AFP) Neue Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Trumps Richterkandidaten Kavanaugh

Neue Vorwürfge gegen den Richterkandidaten Kavanaugh. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)Neue Vorwürfge gegen den Richterkandidaten Kavanaugh. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)

Jurist dementiert Anschuldigung - Demokraten fordern Verschiebung der Abstimmung

Kurz vor der Entscheidung über seine Ernennung hat eine dritte Frau dem US-Richterkandidaten Brett Kavanaugh sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Sie sei Zeugin von sexueller Belästigung durch Kavanaugh bei Schülerpartys in den 80er Jahren gewesen, erklärte Julie Swetnick am Mittwoch. Kavanaugh wies die neuen Anschuldigungen zurück, auch US-Präsident Donald Trump stärkte ihm den Rücken. Die US-Demokraten verlangten, den Nominierungsprozess bis zur Klärung der Vorwürfe auszusetzen.

Sie habe beobachtet, wie der heutige Richter bei mehreren Schülerpartys Anfang der 80er Jahre "exzessiv getrunken" und Mädchen begrapscht habe, ließt Swetnick über ihren Anwalt Michael Avenatti erklären. Kavanaugh habe "Mädchen gegen ihren Willen an sich gedrückt und sich an ihnen gerieben".

Zudem habe er sich an intimen Körperstellen an ihrer Kleidung zu schaffen gemacht. Swetnick warf Kavanaugh auch vor, Mädchen mit sexuellen Kommentaren bedrängt zu haben, um sie "zu demütigen und zu beschämen". Ihren Angaben zufolge sollen Kavanaugh und seine Freunde bei den Partys auch versucht haben, einzelne Mädchen betrunken und orientierungslos zu machen, um sie zu missbrauchen.

"Ich erinnere mich deutlich daran, wie bei vielen Partys Jungen Schlange standen vor einem Zimmer, in dem sich ein Mädchen befand, und warteten, bis sie 'dran waren'", erklärte Swetnick. Unter den Wartenden seien auch Brett Kavanaugh und sein Jugendfreund Mark Judge gewesen.

Um das Jahr 1982 herum sei sie selbst während einer Party, an der auch Kavanaugh teilgenommen habe, Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden, hieß es in Swetnicks Stellungnahme weiter. Sie sei außer Gefecht gesetzt und dann missbraucht worden.

Kavanaugh wies Swetnicks Anschuldigungen entschieden zurück. Die Vorwürfe seien "lächerlich", hieß es in einer Erklärung, die vom Weißen Haus veröffentlicht wurde. "Das ist niemals passiert." Er kenne Swetnick überhaupt nicht. Bereits in den vergangenen Tagen seien "falsche und unbestätigte" Vorwürfe gegen ihn erhoben worden, erklärte Kavanaugh in einer Stellungnahme an den US-Senat. Er sprach von einer "Schmutzkampagne", die seine Nominierung in letzter Minute verhindern solle.

Der Justizausschuss des US-Senats soll am Freitag über Kavanaughs Nominierung abstimmen. Am Donnerstag will die Professorin Christiane Blasey Ford im Justizausschuss zu ihren Anschuldigungen gegen Kavanaugh aussagen. Sie wirft dem Juristen vor, dieser habe sie bei einer Schülerparty in den 80er Jahren zu vergewaltigen versucht. Eine weitere Frau, Deborah Ramirez, hatte sich im "New Yorker" mit dem Vorwurf gemeldet, Kavanaugh habe ihr während einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in den 80er Jahren sein Geschlechtsteil ins Gesicht gedrückt.

Der demokratische Fraktionschef im US-Senat, Chuck Schumer, forderte Kavanaugh am Mittwoch erneut zum Rückzug auf. Falls er sich weigere, sollten zumindest aber die Anhörung und die Entscheidung über den Richterposten vertagt werden, bis die Bundespolizei FBI alle Vorwürfe untersucht habe, erklärte Schumer.

Kavanaugh war von US-Präsident Trump für den freien Richterposten am Supreme Court nominiert worden. Trump steht trotz der Vorwürfe gegen den erzkonservativen Juristen weiter fest an der Seite seines Wunschkandidaten. Auch bei Swetnicks Erklärung handele es sich um "falsche Anschuldigungen", schrieb Trump im Onlinedienst Twitter.

Swetnick arbeitete nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren für mehrere US-Bundesbehörden. Sie wird von Michael Avenatti vertreten, der auch als Anwalt für die Pornodarstellerin Stormy Daniels arbeitet, die sich in einem Rechtsstreit mit Trump befindet. Dabei geht es um ein Sexabenteuer, das Daniels im Jahr 2006 mit Trump gehabt haben will, und um eine Schweigegeldzahlung.


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