26.09.2018, 09:29 Uhr

Berlin (AFP) Foodwatch: Verbraucher nehmen mehr Zucker über Softdrinks zu sich als über Süßigkeiten

Erfrischungsgetränke haben viel Zucker. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Monika Skolimowska (Foto: dpa/AFP/Archiv/Monika Skolimowska)Erfrischungsgetränke haben viel Zucker. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Monika Skolimowska (Foto: dpa/AFP/Archiv/Monika Skolimowska)

Organisation drängt Regierung zur Einführung einer Limo-Steuer

Verbraucher in Deutschland nehmen mehr Zucker über Softgetränke zu sich als über Süßigkeiten. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch veröffentlichte am Mittwoch Zahlen des Instituts Euromonitor International: Demnach lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Erfrischungsgetränke im Jahr 2016 bei durchschnittlich 26 Gramm pro Tag und 9,5 Kilogramm pro Jahr. Bei Süßigkeiten waren es 18 Gramm täglich beziehungsweise rund 6,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Deutschland schneidet damit im europaweiten Vergleich schlecht ab: Nur in den Niederlanden und der Slowakei wird noch mehr Zucker über Softgetränke aufgenommen. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland auf dem elften Platz - hier belegen Argentinien, Chile, die USA, Saudi-Arabien, Mexiko und Kanada die vorderen Plätze.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) müsse "endlich eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens einführen", forderte Foodwatch. Die Maßnahme habe auf der Insel zu einem "wahren Zuckersturz im Getränkeregal geführt". Umfassen müsse eine solche Steuer sowohl Getränke mit Zucker als auch solche mit Süßstoff, forderte Foodwatch.

Die Regierung verfolgt eine nationale Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten - allerdings auf freiwilliger Basis. Am Mittwoch fand auf Einladung Klöckners ein weiterer Runder Tisch zur Reduktionsstrategie statt. Daran nahmen Verbände der Lebensmittelwirtschaft sowie Vertreter von Verbraucherschützern, Wissenschaft und Gesundheit teil.

Die Ankündigungen vieler Hersteller und Händler, den Zuckergehalt in ihren Produkten freiwillig zu senken, zeigten bislang allerdings "kaum Wirkung", monierte Foodwatch. Einer von Foodwatch in der vergangenen Woche veröffentlichten Marktstudie zufolge ist hierzulande derzeit jedes zweite Erfrischungsgetränk überzuckert. Demnach enthalten 58 Prozent der untersuchten 600 Getränke mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

In Großbritannien gilt seit dem Frühjahr eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Sie sieht Abgaben auf Getränke vor, die fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten. Bei über acht Gramm ist die Steuer noch höher.


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