26.09.2018, 10:28 Uhr

Stuttgart (AFP) Daimler-Chef Zetsche hört auf - Schwede Källenius übernimmt


Langjähriger Vorstandsvorsitzender gibt Posten im Mai 2019 ab

Führungswechsel bei Daimler: Der Schwede Ola Källenius soll ab kommendem Mai die Geschicke des Autobauers lenken und den langjährigen Konzernchef Dieter Zetsche als Vorstandsvorsitzenden ablösen. Das teilte Daimler am Mittwoch in Stuttgart mit. Auf die Erfahrung des 68-jährigen Zetsche will der Konzern, der ebenso wie andere Hersteller mit den Umwälzungen in der Automobilbranche und den Turbulenzen des Dieselskandals kämpft, aber auch künftig setzen.

Ab 2021 soll Zetsche Vorsitzender des Aufsichtsrates werden. Dann endet die reguläre Amtszeit des derzeitigen Vorsitzenden des Gremiums, Manfred Bischoff. Um eine zweijährige Karenzzeit einzuhalten, werde Zetsche deshalb zum Ende der Hauptversammlung 2019 sein Vorstandsmandat bei Daimler und die Leitung der wichtigsten Marke Mercedes-Benz niederlegen, erklärte der Autobauer. Die nächste Hauptversammlung von Daimler findet am 22. Mai 2019 in Berlin statt.

Der Aufsichtsrat wolle "in Anbetracht der Herausforderungen der Transformation in der Automobilbranche frühzeitig die Weichen für eine geeignete Nachfolge stellen", erklärte Daimler. Zetsche habe den Konzern "maßgeblich geprägt und strategisch hervorragend für die Mobilität der Zukunft positioniert". Seine Expertise und seine Erfahrung seien für das Unternehmen "äußerst wertvoll". Zetsche sei deshalb prädestiniert, auch den Aufsichtsrat des Unternehmens erfolgreich zu leiten.

Der promovierte Ingenieur Zetsche, 1953 in Istanbul geboren und in Frankfurt am Main aufgewachsen, trat bereits 1976 dem Forschungsbereich der derzeitigen Daimler-Benz AG bei. Es folgten Stationen unter anderem in Brasilien, Argentinien und im US-Bundesstaat Oregon, bevor Zetsche 1998 Vorstandsmitglied wurde. Anfang 2006 stieg er schließlich zum Vorstandschef der damaligen DaimlerChrysler AG auf - und erbte von seinem Vorgänger Jürgen Schrempp einige Baustellen.

Zuvor hatte sich Zetsche einen Ruf als erfolgreicher Sanierer erworben. Der Mann mit dem markanten Schnauzbart gilt als hemdsärmelig und umgänglich, schreckte aber auch nicht vor harten Schritten wie Stellenabbau und Werksschließungen zurück. In Zetsches Amtszeit fiel unter anderem die von Aktionären begrüßte Trennung von Chrysler im Jahr 2007. Der Zusammenschluss mit dem US-Autobauer 1998 hatte zwar am Anfang noch zu steigenden Kursen geführt, dann wegen der Verluste der US-Sparte aber später auch zu herben Rückgängen.

Zuletzt war Zetsche wegen des Vorwurfs von Abgasmanipulationen bei Mercedes mehrfach von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einbestellt worden. Im Juni ordnete die Bundesregierung dann einen amtlichen Rückruf mehrerer Diesel-Modelle an, von dem deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge und europaweit sogar 774.000 Autos betroffen sind. Daimler kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren.

Dass der Wechsel an der Konzernspitze aber auch damit zu tun haben könnte, glaubt Autoexperte Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, nicht. Unter Zetsche habe sich Daimler "durchaus positiv" entwickelt, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Mit Källenius folgt ihm an der Unternehmensspitze nun ein wesentlich jüngerer Manager. Der 49-jährige Schwede, der in Stockholm und im schweizerischen St. Gallen studierte und 1993 einer internationalen Nachwuchsgruppe bei Daimler beitrat, war erst Anfang 2015 in den Vorstand des Konzerns berufen worden. Er ist seit 2017 verantwortlich für die Konzernforschung und die Entwicklung bei der Marke Mercedes-Benz.

Zetsche selbst lobte seinen designierten Nachfolger in hohen Tönen: Källenius habe sich in vielfältigen Funktionen bei Daimler "nicht nur meine Wertschätzung verdient, sondern auch die Anerkennung der Kolleginnen und Kollegen verschiedenster Bereiche". Gleichzeitig bringe Källenius eine "wertvolle internationale Perspektive" mit. "Deshalb begrüße ich es sehr, dass der Aufsichtsrat diese zukunftsweisende Personalentscheidung getroffen hat", erklärte Zetsche.


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