25.09.2018, 12:01 Uhr

Berlin (AFP) Kauder gegen Brinkhaus: Unionsfraktion wählt Vorsitzenden

Volker Kauder und Ralph Brinkhaus. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld/Maurizio Gambarini (Foto: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld/Maurizio Gambarini)Volker Kauder und Ralph Brinkhaus. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld/Maurizio Gambarini (Foto: dpa/AFP/Archiv/Kay Nietfeld/Maurizio Gambarini)

Der Merkel-Vertraute Kauder wird erstmals herausgefordert

Vor der Wahl des Vorsitzenden der Unionsfraktion hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt Amtsinhaber Volker Kauder (CDU) den Rücken gestärkt. "Ich habe ein engstes und vertrauensvolles Verhältnis mit Volker Kauder", sagte Dobrindt, der die Abstimmung am Dienstagnachmittag leitet. "Ich habe deswegen auch vorgeschlagen, ihn wieder zu wählen."

Kauder ist seit fast 13 Jahren Vorsitzender der Bundestagsfraktion von CDU und CSU, bei der Abstimmung am Dienstag muss er sich erstmals einem Gegenkandidaten stellen: Fraktionsvize Ralph Brinkhaus (CDU) aus Ostwestfalen fordert den engen Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel heraus.

Es ist das erste Mal seit 1973, dass bei der Wahl des Unionsfraktionschefs mehrere Kandidaten antreten. Ein Sieg wird dem 50-jährigen Brinkhaus nicht zugetraut, ein Achtungserfolg bei der geheimen Wahl jedoch schon. Ein knappes Ergebnis dürfte als Misstrauensbekundung gegenüber Merkel und somit als Schwächung der CDU-Vorsitzenden gewertet werden.

Kauder wurde nach der Bundestagswahl vor einem Jahr mit 77,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wiedergewählt, erheblich weniger als bei früheren Wahlen. Der 69-Jährige ist der am längsten amtierende Unionsfraktionschef im Bundestag. Zuletzt wurde die Stimmung in den Reihen der Abgeordneten von CDU und CSU zunehmend als schlecht beschrieben.

Außer über den Posten des Fraktionschefs stimmen die 246 Unions-Abgeordneten über die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU ab, die nur für ein Jahr benannt werden. Die CSU-Vizeposten werden dagegen für die gesamte Legislaturperiode vergeben. Auch die Sprecher beziehungsweise Vorsitzenden der verschiedenen Arbeitsgruppen werden bestimmt, ebenso der Parlamentsgeschäftsführer der Fraktion.

Der aktuelle Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) ließ am Dienstag offen, ob er seinen Posten im Falle einer Niederlage Kauders weiter ausüben will. Er habe in den vergangenen Jahren mit Kauder vertrauensvoll und erfolgreich zusammengearbeitet, sagte Grosse-Brömer vor Journalisten. Diese Arbeit würde er gerne fortsetzen. Grosse-Brömer ließ auf Nachfragen offen, ob er sich wieder um sein Amt bewirbt, falls Herausforderer Brinkhaus die Wahl gewinnen sollte.


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