24.09.2018, 12:50 Uhr

Stockholm (AFP) Alternativer Nobelpreis geht an bedrängte Korruptions-Bekämpfer in Guatemala

Aldana (l.) und Velásquez. Quelle: AFP/Archiv/JOHAN ORDONEZ (Foto: AFP/Archiv/JOHAN ORDONEZ)Aldana (l.) und Velásquez. Quelle: AFP/Archiv/JOHAN ORDONEZ (Foto: AFP/Archiv/JOHAN ORDONEZ)

Weitere Preise gehen nach Saudi-Arabien und Burkina Faso

Der Alternative Nobelpreis geht in diesem Jahr an Anti-Korruptions-Kämpfer in Guatemala, Menschenrechtler aus Saudi-Arabien, einen Bauern aus Burkina Faso und einen australischen Agrarwissenschaftler. Prominentester Preisträger ist der kolumbianische Richter Iván Velásquez, der die UN-Kommission gegen Straflosigkeit im mittelamerikanischen Guatemala leitet und dort massiver politischer Behinderung ausgesetzt ist.

Die in Stockholm ansässige Right-Livelihood-Stiftung zeichnete Velásquez am Montag gemeinsam mit der früheren guatemaltekischen Generalstaatsanwältin Thelma Aldana mit dem nicht dotierten Ehrenpreis aus. Aldana hat sich ebenfalls einen Namen als furchtlose Korruptionsbekämpferin gemacht. Mit ihrem Engagement prangerten die beiden Juristen Machtmissbrauch an und kämpften für die Glaubwürdigkeit öffentlicher Institutionen, erklärte das Preiskomitee.

Besonders Velásquez steht derzeit unter großem politischen Druck. Im August beantragte der Richter die Aufhebung der Immunität von Guatemalas Präsident Jimmy Morales, um ein Strafverfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung einzuleiten. Guatemala erklärte den Kolumbianer daraufhin zur unerwünschten Person und verweigert ihm seitdem die Einreise. Das Mandat der von der UNO eingesetzten Unabhängigen Kommission gegen Korruption und Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) will der Präsident nicht über 2019 hinaus verlängern.

Velásquez bedankte sich für die Zuerkennung des Ehrenpreises. Dieser komme "zu einem besonders dramatischen Zeitpunkt im Kampf gegen Straflosigkeit und Korruption". Er hoffe, dass sich nun "die Aufmerksamkeit der Welt auf Guatemala richten" und dass die internationale Gemeinschaft all jene unterstütze, die für Veränderungen in dem Land eintreten.

Die eng mit Velásquez kooperierende Juristin Aldana hatte nach Amtsantritt als Generalstaatsanwältin 2015 Ermittlungen gegen korrupte Seilschaften in Guatemalas Politik gestartet. Der Regierung von Präsident Morales warf sie unzureichende Unterstützung für ihre Arbeit vor, auf eine weitere Amtszeit als Generalstaatsanwältin verzichtete sie im Mai.

Aldana und Velásquez trugen mit ihren Mitarbeitern zur spektakulären Aufdeckung eines breit gefächerten Korruptionsnetzwerks in Guatemalas Elite bei. Die Ermittlungen führten zum Rücktritt von Präsident Otto Pérez und Vizepräsidentin Roxanna Baldetti. Mehr als 60 Menschen wurden festgenommen.

Das Preisgeld in Höhe von drei Millionen Schwedischen Kronen (rund 290.000 Euro) verteilt sich auf drei Preise. Einer davon geht an die drei saudiarabischen Menschenrechtsaktivisten Abdullah al-Hamid, Mohammad Fahad al-Kahtani und Walid Abu al-Chair, die sich alle derzeit im Gefängnis befinden. Die Jury ehrte sie "für ihren visionären und mutigen Einsatz, geleitet von universellen Menschenrechtsprinzipien, das totalitäre politische System in Saudi-Arabien zu reformieren". Der Right Liveliood Award geht zum ersten Mal nach Saudi-Arabien.

Der Bauer Yacouba Sawadogo aus der trockenen Sahelzone in Burkina Faso erhielt den Preis "für die Verwandlung von unfruchtbarem Land in lebendigen Wald und für die Weiterentwicklung von lokalem und indigenem Wissen zur Regeneration des Bodens", wie die Stiftung mitteilte. Sawadogo erklärte, er fühle sich geehrt und hoffe, dass der Preis "viele Menschen zur Regeneration ihres Landes" ermutige.

Auch der australische Agronom Tony Rinaudo wurde für seine Bemühungen um die Begrünung und Kultivierung ausgetrockneter Landflächen ausgezeichnet. Die Jury erklärte, Rinaudo erhalte den Preis "für den praktischen Beweis, wie Trockengebiete in großem Umfang und mit minimalen Kosten begrünt werden können, zur Verbesserung der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen". Rinaudo äußerte die Hoffnung, dass seine kostengünstige Methode nun bekannter wird und Anwendung findet.

Der Alternative Nobelpreis will den Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und Umweltschutz würdigen. Er wurde 1980 vom schwedisch-deutschen Philanthropen Jakob von Uexküll geschaffen. Inzwischen zählt die Stiftung 166 Preisträger aus 68 Ländern, darunter auch den früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden.

Der Alternative Nobelpreis ist mit umgerechnet 315.000 Euro dotiert. Die Preisträger teilen sich das Geld.


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