24.09.2018, 07:51 Uhr

New York (AFP) Zweite Frau erhebt Vorwürfe gegen Richterkandidat von US-Präsident Trump

Neue Vorwürfe gegen Richter Brett Kavanaugh. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)Neue Vorwürfe gegen Richter Brett Kavanaugh. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)

Kavanaugh soll Frau bei Studentenparty sexuell belästigt haben

In der Debatte um den Richterkandidaten Brett Kavanaugh hat sich eine zweite Frau mit Belästigungsvorwürfen zu Wort gemeldet. Deborah Ramirez sagte dem "New Yorker" vom Sonntag, der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für das Oberste Gericht habe während einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in der 80er Jahren sein Geschlechtsteil in ihr Gesicht gedrückt. Kavanaugh, dem bereits eine Professorin versuchte Vergewaltigung vorwirft, dementierte die neuen Anschuldigungen.

Die oppositionellen Demokraten forderten nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe eine Aussetzung des Nominierungsverfahrens. Die einflussreiche Senatorin Dianne Feinstein verlangte eine "sofortige Vertagung" aller Verfahrenstermine, die Bundespolizei FBI müsse zunächst Ermittlungen auch zu den neuen Vorwürfen einleiten.

Die heute 53-jährige Ramirez sagte dem "New Yorker", sie sei bei der College-Party nach einem Trinkspiel betrunken gewesen und habe auf dem Boden gelegen. Kavanaugh habe sich entblößt und seinen Penis in ihr Gesicht gedrückt. Danach habe jemand im Flur gerufen: "Brett Kavanaugh hat gerade seinen Penis in Debbies Gesicht gestreckt." "Ich erinnere mich, dass ich es hörte und mich gedemütigt fühlte, weil sie da draußen davon wussten", sagte Ramirez.

Kavanaugh bestritt die Vorwürfe vehement. Er sprach von einer "Schmutzkampagne, schlicht und einfach". "Die Menschen, die mich damals kannten, wissen, dass dies nicht passiert ist", sagte der Kandidat für den vakanten Posten am mächtigen Supreme Court in einer vom "New Yorker" veröffentlichten Stellungnahme.

Auch das Weiße Haus wies die Vorwürfe zurück. Sie Sprecherin Kerri Kupec sprach von einer "Schmutzkampagne der Demokraten", um "einen guten Mann zu Fall zu bringen". Das Weiße Haus stehe weiter "fest" hinter Kavanaugh.

Ramirez ist die zweite Frau, die Kavanaugh öffentlich einen sexuellen Übergriff vorwirft. Die Professorin Christine Blasey Ford legt dem Juristen zur Last, er habe sie bei einer Schülerparty in den 80er Jahren zu vergewaltigen versucht. Voraussichtlich am Donnerstag soll sie vor dem Justizausschuss des US-Senats angehört werden.

Wie Ford fordert auch Ramirez, dass die US-Bundespolizei FBI ihren Fall untersuchen soll. Die oppositionellen Demokraten haben sich hinter die Forderung gestellt. Ramirez hat im "New Yorker" allerdings Erinnerungslücken eingeräumt. Sie muss zudem damit rechnen, dass ihr Gedächtnis in Frage gestellt wird, weil sie betrunken war.

Möglicherweise meldet sich aber noch eine dritte Frau mit Vorwürfen zu Wort. Der Anwalt der Pornodarstellerin Stormy Daniels, Michael Avenatti, verbreitete im Kurzbotschaftendienst Twitter eine E-Mail an den Justizausschuss, in der er von einer Zeugin für ein weiteres sexuelles Fehlverhalten Kavanaughs bei einer Party in den 80er Jahren berichtet.

Avenatti vertritt Daniels in einem Rechtsstreit mit Präsident Trump. Dabei geht es um ein Sexabenteuer, das Daniels im Jahr 2006 mit Trump gehabt haben will, und eine Schweigegeldzahlung.

Trump hatte den erzkonservativen Richter Kavanaugh für den Posten auf Lebenszeit am Obersten Gericht vorgeschlagen. Der US-Senat muss der Nominierung zustimmen. Der Justizausschuss hat darüber zu entscheiden, ob die Personalie für das endgültige Bestätigungsvotum an das Plenum weitergereicht wird.

Durch die Vorwürfe Fords zieht sich Nominierungsverfahren, das eigentlich als Formsache galt, nun länger hin als geplant. Der Justizausschuss hat inzwischen bestätigt, dass Ford und Kavanaugh bei der öffentlich Anhörung am Donnerstag nacheinander aussagen sollen, erst Ford und dann Kavanaugh.

Wie die "New York Times" berichtete, will der Richter den Senatoren als Beweismittel Kalender aus dem Sommer 1982 vorlegen, die beweisen sollen, dass er in der fraglichen Zeit meist nicht in der Stadt war, und keinen Hinweis auf die fragliche Party enthalten.


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