24.09.2018, 09:58 Uhr

Colombo (AFP) Oppositionskandidat gewinnt überraschend Präsidentschaftswahl auf den Malediven

Ibrahim Mohamed Solih bei der Stimmabgabe. Quelle: AFP/Ahmed SHURAU (Foto: AFP/Ahmed SHURAU)Ibrahim Mohamed Solih bei der Stimmabgabe. Quelle: AFP/Ahmed SHURAU (Foto: AFP/Ahmed SHURAU)

Autoritär regierender Staatschef Yameen erkennt seine Wahlniederlage an

Überraschung bei der Präsidentschaftswahl auf den Malediven: Der Oppositionskandidat Ibrahim Mohamed Solih hat sich gegen den autoritär regierenden Amtsinhaber Abdulla Yameen durchgesetzt. Nach Angaben der Wahlkommission erhielt Solih bei der Abstimmung am Sonntag 58,3 Prozent der Stimmen. Yameen kahm nur auf 41,7 Prozent und räumte am Montag seine Niederlage ein. Anhänger der Opposition feierten Solihs Wahlsieg auf den Straßen der Hauptstadt Malé.

Ein Sieg des Oppositionskandidaten hatte als äußerst unwahrscheinlich gegolten, weil Yameen das Urlaubsparadies im Indischen Ozean autoritär regiert und mit aller Härte gegen die Opposition vorgeht. Alle aussichtsreichen Konkurrenten des Staatschefs saßen bei der Wahl im Gefängnis oder mussten vorher das Land verlassen.

Solih, der bisher relativ unbekannt war, war als Kandidat der Maledivischen Demokratischen Partei (MDP) von Ex-Staatschef Mohamed Nasheed ins Rennen gegangen und wurde von allen Oppositionsparteien unterstützt.

Nach seinem Wahlsieg war im In- und Ausland befürchtet worden, dass Yameen das Wahlergebnis nicht anerkennt. Am Montag sagte Yameen aber in einer Fernsehansprache, er habe das Ergebnis "akzeptiert" und sich bereits mit Solih getroffen, "den die maledivischen Wähler zu ihrem neuen Präsident gewählt haben".

Solih hatte Yameen zuvor aufgefordert, den Willen des Volkes zu respektieren und einen friedlichen Machtwechsel zuzulassen. Nasheed, der von 2008 bis 2012 der erste demokratisch gewählte Präsident der Malediven war und mittlerweile im Exil lebt, hatte vor der Wahl gesagt, die Abstimmung könne "das Land zurück auf den Weg der Demokratie bringen".

Bei der Präsidentschaftswahl 2013 hatte Nasheed zunächst gegen Yameen gewonnen, das Oberste Gericht annullierte die Wahl aber wegen Unregelmäßigkeiten. Die Neuwahl und eine Stichwahl wurden mehrfach verschoben. In der gewonnenen Zeit sammelten sich Nasheeds Gegner hinter Yameen und verhalfen ihm so zum Sieg.

In diesem Jahr war der Machtkampf erneut eskaliert. Im Februar verhängte Yameen den Ausnahmezustand und ließ den obersten Richter, einen weiteren ranghohen Richter sowie seinen Halbbruder, den früheren Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom festnehmen. International wurde Yameens Vorgehen scharf kritisiert. Die UNO sprach von einem "radikalen Angriff auf die Demokratie".

Vor der Präsidentschaftswahl hatten die Opposition und Wahlbeobachter vor Wahlbetrug gewarnt. Die USA und die EU drohten mit Sanktionen, sollte die Abstimmung in dem von 340.000 überwiegend muslimischen Einwohnern bevölkerten Inselstaat nicht frei und fair verlaufen.

Nach der Wahl gratulierten die Nachbarstaaten Indien und Sri Lanka Solih zu seinem Sieg. Die Regionalmacht Indien, die mit China um Einfluss auf die Länder im Indischen Ozean kämpft, wertete den Sieg des Oppositionskandidaten als "Triumph für die demokratischen Kräfte auf den Malediven". China äußerte sich zunächst nicht.

Yameen hatte die Malediven zuletzt politisch näher an China herangerückt und sich von der langjährigen Schutzmacht Indien abgewendet. Infrastruktur-Projekte in dem Inselstaat werden mit chinesischen Millionenkrediten finanziert.


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