23.09.2018, 16:36 Uhr

Berlin (AFP) Koalitionsspitzen ringen weiter um Einigung im Maaßen-Streit

Quelle: dpa/AFP/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/AFP/Bernd Von Jutrczenka)Quelle: dpa/AFP/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/AFP/Bernd Von Jutrczenka)

"SZ": Seehofer sieht suche nach einer Lösung "auf gutem Weg"

Im Streit um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen haben die Koalitionsspitzen am Wochenende erneut um eine Lösung gerungen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich in der "Süddeutschen Zeitung" zuversichtlich über die Einigungschancen. Er schloss eine Entlassung des Behördenleiters in der "Bild am Sonntag" aber aus.

"Momentan sind wir nach meiner Einschätzung auf gutem Weg", sagte Seehofer der "SZ". Es gab jedoch keine offiziellen Angaben dazu, ob es am Sonntagabend noch ein Treffen der drei Parteichefs geben werde oder diese etwa nur telefonieren.

Ein Bericht der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe), demzufolge Maaßen im Innenministerium "die Position eines Staatsssekretärs ausüben" solle, wurde in Koalitionskreisen zurückgewiesen. In dem Bericht hatte es geheißen, Maaßen solle in das von CSU-Chef Horst Seehofer geleitete Bundesinnenministerium wechseln, dort aber weiterhin in seine bisherige Besoldungsstufe B9 eingruppiert werden.

Die Spitzen der Koalition hatten sich am Dienstag zunächst darauf verständigt, Maaßen abzulösen und ihn zum Staatssekretär im Innenministerium zu befördern. Nach heftigen Protesten in der SPD dagegen wandte sich Nahles an die Parteichefs von CDU und CSU, Angela Merkel und Seehofer, und bat um Neuverhandlungen im Fall Maaßen. Bundeskanzlerin Merkel kündigte daraufhin eine Lösung noch an diesem Wochenende an.

Der "BamS" sagte Seehofer: "Wir müssen Herrn Maaßen mit Anstand behandeln." Er sei ein hoch kompetenter und integrer Mitarbeiter, der kein Dienstvergehen begangen habe. "Ich werde ihn deshalb auch nicht entlassen." Maaßen war wegen eines Interviews in die Kritik geraten, in dem er die Echtheit eines Videos zu den Ausschreitungen in Chemnitz angezweifelt und zudem bestritten hatte, dass es dort Hetzjagden gab.

Nahles verlangte nach Angaben der "BamS" explizit keine Versetzung Maaßens in den einstweiligen Ruhestand. Sie mahnte eine Lösung an, "die nicht das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen verletzt". Zudem müsse Vertrauen wiederhergestellt werden. Wenn dies nicht mehr gegeben sei, "scheitert die Regierung", sagte Nahles. Alle drei Parteien müssten sich "zu dieser Regierung bekennen und aktiv daran arbeiten, dass sie erfolgreich ist".

Rufe aus der SPD nach einem Austritt aus der Großen Koalition wies Nahles strikt zurück. "Unsere demokratische Ordnung ist von Feinden bedroht." In der aktuellen Lage dürften "die Geschicke des Landes nicht anderen überlassen" werden.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warnte Union und SPD vor dem Bruch der Regierungskoalition. Der CDU-Vize kritisierte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass "mehr oder weniger bedeutende Persönlichkeiten der Sozialdemokratie" ununterbrochen forderten, aus der Koalition wieder auszusteigen. Anderseits neige auch CSU-Chef Seehofer zu "einsamen, überraschenden Entscheidungen".

FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderte wegen des Falls Maaßen Neuwahlen. "Dass die Koalition wegen zweier dummer Sätze des Leiters einer nachgeordneten Behörde an den Rand ihrer Existenz gebracht wird, zeigt deutlich, dass diese Verbindung tieferliegende Probleme hat", sagte der Bundestagsvizepräsident der "Augsburger Allgemeinen" (Montagsausgabe).


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