22.09.2018, 13:48 Uhr

Vatikanstadt (AFP) Vatikan und China legen Streit über Ernennung von Bischöfen bei

Kirche in der zentralchinesischen Provinz Henan. Quelle: AFP/Archiv/PAK YIU (Foto: AFP/Archiv/PAK YIU)Kirche in der zentralchinesischen Provinz Henan. Quelle: AFP/Archiv/PAK YIU (Foto: AFP/Archiv/PAK YIU)

Papst Franziskus erkennt sieben von Peking ernannte Würdenträger an

China und der Vatikan haben ein historisches Abkommen zur Beilegung ihres Streits über die Ernennung katholischer Bischöfe unterzeichnet. Die am Samstag in Peking geschlossene Vereinbarung habe auch eine Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen zum Ziel, teilten das chinesische Außenministerium und der Vatikan in getrennten Erklärungen mit. Papst Franziskus will nun nach Vatikanangaben sieben Bischöfe anerkennen, die Peking ohne seine Zustimmung ernannt hatte.

Papst Franziskus hoffe, dass mit der Einigung "die Wunden der Vergangenheit geheilt" werden könnten, erklärte der Vatikan. Ziel sei die "vollständige" Aufnahme aller chinesischen Katholiken in die Abendmahlsgemeinschaft. Das Abkommen schaffe zudem die "Voraussetzungen für eine engere bilaterale Zusammenarbeit".

Die schätzungsweise zwölf Millionen Katholiken in der Volksrepublik sind derzeit in zwei Lager gespalten: Ein Teil bekennt sich zu der 1957 von der chinesischen Regierung gegründeten Kirche, die vom Vatikan aber nicht anerkannt wird. Diese katholische Staatskirche ernennt Bischöfe ohne Zustimmung des Vatikan. Daneben gibt es noch eine inoffizielle vatikantreue Untergrundkirche, die Repressionen ausgesetzt ist.

Das Abkommen wurde in Peking von Vizeaußenminister Wang Chao und dem stellvertretenden Außenminister des Kirchenstaats, Antoine Camilleri, unterzeichnet. Bei der Vereinbarung, die regelmäßig überprüft werde, handele sich "nicht um ein politisches, sondern um ein pastorales Abkommen", erklärte Vatikan-Sprecher Greg Burke am Rande des Papst-Besuchs in Litauen.

Nach Vatikanangaben erkennt Franziskus sieben Bischöfe der chinesischen Staatskirche an, "die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden sind". Zusätzlich erkenne er posthum einen im vergangenen Jahr gestorbenen Bischof an. Im Gegenzug wird erwartet, dass Peking den Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche anerkennt.

Der Vatikan hatte vor drei Jahren die Anfang der 80er Jahre aufgenommenen und dann lange ausgesetzten Verhandlungen mit Chinas kommunistischer Regierung wieder aufgenommen. Eine Verbesserung der Beziehungen ist ein erklärtes Ziel von Papst Franziskus. China und der Vatikan unterhalten seit 1951 keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Gegner der nun getroffenen Vereinbarung, unter ihnen der ehemalige Hongkonger Kardinal Joseph Zen, sehen darin eine Art Pakt mit dem Teufel, sie fürchten "Verwirrung und Schmerz" unter den Vatikantreuen sowie eine weitere Spaltung der Kirche.

Auch der Direktor für China-Studien an der Universität von Nottingham, Jonathan Sullivan, kritisierte das Abkommen. Der Vatikan verhalte sich "naiv", denn Peking verfolge ein klares "strategisches" Ziel. Die kommunistische Führung werde die Vereinbarung als Segen des Vatikans für die staatliche Kirche verkaufen, während sie weiter gegen Christen vorgehe, die nicht der staatlich kontrollierten Kirche angehörten.

Immer wieder werden in China Kirchen zerstört und ihre Mitglieder festgenommen. Die Behörden gehen gegen den Verkauf von Bibeln vor, konfiszieren andere religiöse Schriften und Gegenstände. Kirchliche Kindergärten werden geschlossen, Kreuze von Kirchen abmontiert.

Die kommunistische Führung in Peking hatte ein Abkommen mit dem Vatikan bislang verweigert, da der Kirchenstaat als eines von nur 17 Ländern weltweit Taiwan anerkennt. Peking betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz, die eines Tages wieder mit dem Festland vereinigt werden soll.

Das Außenministerium in Taipeh erklärte am Samstag, der Vatikan habe Taiwan versichert, dass es bei der seit 76 Jahren gültigen Anerkennung bleibe. Zugleich äußerte Taipeh die Hoffnung, dass der Vatikan nun dafür sorgen könne, dass Christen in China nicht mehr verfolgt würden.


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