22.09.2018, 14:10 Uhr

Nairobi (AFP) Helfer finden zwei Tage nach Fährunglück in Tansania Überlebenden


Zahl der im Victoriasee Ertrunkenen steigt auf mehr als 200

Zwei Tage nach dem tragischen Fährunglück auf dem Victoriasee ist Rettungskräften die kaum noch erhoffte Bergung eines Überlebenden geglückt. Der Maschinist habe sich in einem "speziellen Raum" mit ausreichend Luft zum Überleben eingesperrt, sagte der Parlamentarier Joseph Mkundi aus dem Bezirk Ukerewe der Nachrichtenagentur AFP am Samstag. Damit stieg die Zahl der Überlebenden auf 41. Die Zahl der Todesopfer wuchs unterdessen auf 207 an.

Am Samstagmorgen (Ortszeit) hatte der staatliche Fernsehsender TBC die Zahl der Toten noch auf 151 beziffert, später wurde diese Zahl auf 170 nach oben korrigiert. Am Nachmittag berichtete dann der öffentliche Rundfunk unter Berufung auf den Verkehrsminister Tansanias, 207 Menschen seien ertrunken. Die Such- und Bergungsarbeiten wurden fortgesetzt.

Die Fähre "MV Nyerere" war am Donnerstag im südlichen Teil des Sees gekentert, nur rund 50 Meter vom Anleger auf der Insel Ukara entfernt. Die Unglücksursache war zunächst unklar - doch die veröffentlichten Zahlen bedeuten, dass die Fähre, ausgelegt für 100 Passagiere, heillos überladen war.

Wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP sagten, hatten die Passagiere zudem zum Bug gedrängt, als sich die Fähre dem Anleger näherte, und das Schiff so aus dem Gleichgewicht gebracht. Andere Zeugen beschuldigten den Kapitän, der ein gewagtes Manöver versucht habe.

Tansanias Präsident John Magufuli warf den Verantwortlichen "Fahrlässigkeit" vor und ordnete die Festnahme der Fährbetreiber an. Magufuli rief eine viertägige Staatstrauer aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Magufuli am Freitag in einem Telegramm kondoliert. Sie habe die Nachricht von dem Fährunglück "mit tiefer Betroffenheit aufgenommen", hieß es darin. Die Kanzlerin drückte "den Bürgerinnen und Bürgern Tansanias meine aufrichtige Anteilnahme und mein tief empfundenes Mitgefühl" aus.

Auf dem Victoriasee in Ostafrika ereigneten sich bereits mehrere schwere Schiffsunglücke. Überladung ist dabei immer wieder eine der Ursachen. Im Jahr 1996 etwa waren beim Untergang einer Fähre im tansanischen Teil des Sees schätzungsweise tausend Menschen ertrunken. Mit einer Fläche von rund 68.800 Quadratkilometern ist der Victoria-See einer der größten Seen der Erde. Er liegt zwischen Tansania, Kenia und Uganda.


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