22.09.2018, 20:13 Uhr

Washington (AFP) Trumps Attacke gegen Professorin im Richter-Streit löst Proteststurm aus


Psychologin kündigt Aussage im US-Senat für kommende Woche an

Die Attacke von US-Präsident Donald Trump gegen die Professorin Christine Blasey Ford im Streit um den Richterkandidaten Brett Kavanaugh hat im Internet eine Welle der Empörung ausgelöst. Im Kurzbotschaftendienst Twitter zeigten sich ab Freitag zehntausende Frauen unter dem Stichwort #WhyIDidntReport (Warum ich es nicht öffentlich gemacht habe) solidarisch mit Ford, die Kavanaugh der versuchten Vergewaltigung beschuldigt. Die 51-Jährige erklärte sich am Samstag bereit, kommende Woche im US-Senat zu ihren Vorwürfen auszusagen.

Ford beschuldigt den erzkonservativen Kandidaten für das mächtige Oberste Gericht, in den 80er Jahren bei einer Schülerparty versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Der 53-jährige Kavanaugh weist die Anschuldigung zurück.

Nach anfänglicher Zurückhaltung hatte Trump am Freitag die Glaubwürdigkeit Fords in Frage gestellt. Auf Twitter merkte Trump an, er habe "keinen Zweifel", dass Ford oder ihre "liebenden Eltern" damals unverzüglich Anzeige erstattet hätten, wenn der Angriff "so schlimm" gewesen wäre wie von der Psychologieprofessorin geschildert.

Trump forderte Ford zudem auf, Dokumente über eine Anzeige vorzulegen, "so dass wir Datum, Zeit und Ort erfahren können". Aus Fords Schilderungen geht hingegen hervor, dass eine Anzeige damals offensichtlich nicht erstattet worden war. Trump kritisierte auch Fords Forderung nach Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI. "Warum hat nicht jemand das FBI vor 36 Jahren angerufen?" fragte er.

Wie zu Beginn der #MeToo-Debatte schilderten daraufhin hunderte Twitter-Nutzerinnen Fälle sexuellen Missbrauchs und warum sie niemandem etwas davon erzählt, geschweige denn eine Anzeige erstattet hätten. "Ich wurde zweimal sexuell missbraucht. Einmal, als ich ein Teenager war. Ich habe nie eine Anzeige erstattet und 30 Jahre gebraucht, um es meinen Eltern zu sagen", schrieb die Schauspielerin Alyssa Milano.

Die Schauspielerin Ashley Judd erklärte: "Als es das erste Mal passierte, war ich sieben." Als sie Erwachsenen davon erzählt habe, hätten diese erwidert, der Täter sei ein "netter alter Mann, der es nicht so gemeint hat". Als sie mit 15 Jahren ein weiteres Mal vergewaltigt worden sei, habe sie es nur ihrem Tagebuch anvertraut.

Auch die republikanische US-Senatorin Susan Collins, die Mitglied im Justizausschuss ist, zeigte sich "entsetzt vom Tweet des Präsidenten". Es sei bekannt, dass sexuelle Übergriffe zu den am seltensten gemeldeten Fällen gehörten. Daher sei der Tweet des Präsidenten "völlig unangemessen und falsch".

Ford hatte nach eigener Schilderung erst 2012 während einer Paartherapie mit ihrem Ehemann erstmals genauer von der sexuellen Attacke erzählt, die sie als 15-Jährige erlebt habe. Opfer von sexueller Gewalt scheuen häufig aus Scham und Furcht davor zurück, von dem traumatischen Erlebnis zu erzählen.

Ford erklärte sich bereit, kommende Woche im Justizausschuss des Senats über die Geschehnisse auszusagen, wie US-Medien unter Berufung auf ein Schreiben von Fords Anwälten berichteten. Ein Termin für die Befragung wurde darin nicht genannt.

In dem Schreiben, aus dem die "Washington Post" zitierte, zeigten sich die Anwälte unzufrieden mit den Vorschlägen zu den Einzelheiten der Anhörung. Diese seien "völlig unvereinbar mit dem Versprechen des Ausschusses, eine gerechte, unabhängige Untersuchung ihrer Vorwürfe vorzunehmen", hieß es demnach. Aber "wir sind guter Hoffnung, dass wir uns auf die Details einigen werden".

Zuvor hatte es Streit über den genauen Termin gegeben: Der republikanische Ausschussvorsitzende Chuck Grassley hatte zunächst für Montag eine öffentliche Anhörung angesetzt, bei der sowohl die Professorin als auch der Richter aussagen sollten. Diesen Termin lehnte Ford ab - sie wollte frühestens am Donnerstag aussagen, um auch einen männlichen Zeugen einzuladen. Grassley setzte der Professorin schließlich eine Frist, um über eine Aussage am Mittwoch zu entscheiden. Andernfalls werde der Senat sie nicht anhören. Die Frist endete am Samstag um 20.30 Uhr.


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