21.09.2018, 11:55 Uhr

Bremen (AFP) Großrazzia gegen professionelle Telefonbetrüger aus Bereich der Clankriminalität

Polizei im Einsatz. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger (Foto: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger)Polizei im Einsatz. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger (Foto: dpa/AFP/Archiv/Patrick Seeger)

Polizeiaktion in Bremen und Niedersachsen - Senator kündigt weitere Maßnahmen an

Mehr als 350 Beamte von Polizei und Zoll sind am Freitag in Bremen und Niedersachsen mit einer Großrazzia gegen mutmaßliche Telefonbetrüger vorgegangen, die in gut organisierten Strukturen sogenannter Clankriminalität agiert haben sollen. Sie durchsuchten 18 Anschriften und vollstreckten vier Haftbefehle, wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Bremen mitteilten. Zudem sicherten Beamte Vermögen im Wert von 1,8 Millionen Euro, darunter Immobilien und teure Autos.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) kündigte ein weiteres entschiedenes Vorgehen gegen Täter aus dem Bereich sogenannter Clankriminalität an. Dazu zählten auch konsequente Abschöpfungen von Vermögen aus illegalen Quellen und die verstärkte Prüfung von Abschiebungen, erklärte er. Zudem würden sich Bremen und Berlin verstärkt über gemeinsame Aktionen in diesem Bereich abstimmen.

Auch in Berlin waren Ermittler zuletzt mehrfach in großem Stil gegen Mitglieder krimineller Clans vorgegangen. Mäurer erklärte, die Bremer Behörden beobachteten "mit Sorge", dass "sogenannte ethnisch abgeschottete Clans" zunehmend systematisch Betrugstaten zulasten älterer Menschen organisierten und begingen. Es handle sich "um organisierte Kriminalität im großen Stil", erklärte er.

Die Beamten beschlagnahmten unter anderem Immobilien, Sportwagen, Goldmünzen sowie 250.000 Euro Bargeld. Die Ermittlungen richten sich gegen ein Netzwerk um einen 29-Jährigen aus Bremen, der über ein eigenes "Callcenter" in der Türkei Betrugsanrufe bei älteren Menschen in Deutschland organisiert haben soll, bei denen sich Mittäter als Polizisten ausgaben. Dieses sei von "Mitgliedern eines ethnischen Clans" geführt worden, erklärten die Ermittler.

Die Anrufer gaben sich am Telefon als Polizisten aus und brachten ihre Opfer dazu, ihnen Ersparnisse auszuhändigen, um diese vor dem Zugriff angeblicher Krimineller zu sichern. Auf diese Weise sollen sie zwischen Juli und August 246.000 Euro erbeutet und über eigene Transportwege weiter in die Türkei gebracht haben. Derartige Betrugstaten häufen sich seit längerer Zeit bundesweit.

Die insgesamt 14 Beschuldigten sollen außerdem zwischen 2015 und 2017 durch betrügerische Leasinggeschäfte mit Autos weitere 182.900 Euro erbeutet haben. Zu den Festgenommen gehörte auch der 29-jährige Hauptbeschuldigte. Bei der Razzia beschlagnahmten die Beamte außerdem auch ein "Waffenlager mit diversen Langwaffen".


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