19.09.2018, 12:54 Uhr

Stockholm (AFP) Angeklagter im Vergewaltigungs-Skandal um Schwedische Akademie verneint Vorwürfe


Ehemann von Akademiemitglied steht vor Gericht

Zum Prozessauftakt im Vergewaltigungs-Skandal um die Schwedische Akademie, die für die Vergabe des Literatur-Nobelpreises zuständig ist, hat der Angeklagte Jean-Claude Arnault alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der 72-jährige Ehemann eines langjährigen Akademiemitglieds steht wegen des Vorwurfs der zweifachen Vergewaltigung einer Frau vor Gericht. Der Skandal erschütterte das angesehene Nobel-Gremium in seinen Grundfesten.

"Mein Mandant weist alle Anschuldigungen zurück", sagte Anwalt Björn Hurtig zu Beginn des Prozesses. Das Gericht hatte der 72-jährige Arnault am Morgen kommentarlos betreten, er trug eine auffällige schwarze Hornbrille, schwarzen Anzug und einen weißgrauen Schal. Die Anhörungen fanden wie in solchen Fällen üblich hinter verschlossenen Türen statt.

Das mutmaßliche Opfer, dessen Identität geheim gehalten wird, war zum Auftakt nicht anwesend, kam aber später hinzu und verbarg ihr Gesicht vor den Reportern. "Das ist schmerzlich für sie, da sie Traumatisches durchlebt hat, aber es geht ihr gut", sagte die erfahrene Kläger-Anwältin Elisabeth Massi Fritz. Es gebe "sieben Zeugen", welche die Version ihrer Mandantin stützten.

Im November war der Franzose Arnault im Zuge der #MeToo-Kampagne von 18 Frauen wegen sexueller Übergriffe beschuldigt worden. Nach Recherchen der Zeitung "Dagens Nyheter" soll Arnault über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen sowie Frauen und Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Der nun erhobenen Anklage zufolge soll Arnault eine Frau in Stockholm im Jahr 2011 in zwei Fällen vergewaltigt haben. Im ersten Fall habe er die "stark verängstigte" Frau zum Sex gezwungen, Monate später habe er sie im Schlaf überfallen.

Der Umgang mit dem Skandal sorgte innerhalb der Akademie für großen Streit. Sechs der insgesamt 18 Mitglieder legten ihre Ämter nieder, unter ihnen auch Arnaults Ehefrau, das langjährige Akademie-Mitglied Katarina Frostenson. Die Vergabe des Literatur-Nobelpreises für das Jahr 2018 wurde verschoben und soll 2019 nachgeholt werden.

Im Zuge des Skandals war auch ans Tageslicht gekommen, dass ein von Arnault geführtes Kulturinstitut durch die Akademie über Jahre hinweg mit hohen Summen gefördert worden war. Die Akademie kappte inzwischen alle Verbindungen zu Arnault und seinem Institut.

Arnault wurde nach Angaben der Zeitung "Svenska Dagbladet" 1946 in Marseille als Sohn russischer Immigranten geboren. Nach Schweden kam er Ende der 60er Jahre, um Fotografie zu studieren. Der von ihm geführte Club Forum, ein Intellektuellen-Treffpunkt, war Sprungbrett für ambitionierte Jungautoren.

Arnault konnte mit seinen Kontakten Karrieren befördern oder blockieren. Die Schriftstellerin Elise Karlsson, eine der 18 Frauen, die Arnault beschuldigen, erzählte der Zeitung "Dagens Nyheter" von einem Vorfall von 2008, als sie 27 Jahre alt war: "Plötzlich bemerkte ich seine Hand auf meinem Hintern, an keinem Punkt hatte ich Interesse gezeigt. Ich war schockiert und sagte ihm 'Fass mich nicht an' und verpasste ihm eine Ohrfeige." Später sei Arnault an sie herangetreten und habe ihr gesagt, sie werde in der Branche nie wieder Arbeit finden.


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