19.09.2018, 09:59 Uhr

Seoul (AFP) Nordkoreas Machthaber kündigt baldigen Besuch in Seoul an

Moon (l.) und Kim in Pjöngjang. Quelle: Pyeongyang Press Corps/AFP/- (Foto: Pyeongyang Press Corps/AFP/-)Moon (l.) und Kim in Pjöngjang. Quelle: Pyeongyang Press Corps/AFP/- (Foto: Pyeongyang Press Corps/AFP/-)

Kim sagt Schließung von Raketentestgelände zu

Schritt für Schritt setzen die beiden koreanischen Staaten ihre Politik der Annäherung fort: Bei ihrem dritten Gipfeltreffen in diesem Jahr kündigten Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In am Mittwoch einen baldigen Besuch Kims in Seoul an. Kim sagte überdies die Schließung einer Raketentestanlage in Anwesenheit internationaler Beobachter zu, machte aber keine konkreten Zusagen zum Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals.

Er werde "in naher Zukunft" nach Seoul reisen, sagte Kim bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Pjöngjang. Moon fügte hinzu, der Besuch werde voraussichtlich noch in diesem Jahr stattfinden. Es wäre der erste Besuch eines nordkoreanischen Machthabers in Seoul seit der Teilung der Koreanischen Halbinsel.

In der Abschlusserklärung willigte Kim ein, die Testanlage Tongchang Ri, bekannt auch als Sohae, zu schließen. Dies solle "in Anwesenheit von Experten aus relevanten Ländern" geschehen, sagte er. Auf dem Gelände befinden sich eine Testanlage für Raketenantriebe und eine Abschussrampe.

Zudem habe "Nordkorea seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, weitere Schritte zu unternehmen, darunter die dauerhafte Demontage der Atomanlage von Yongbyon, wenn die USA gleichwertige Schritte unternehmen", heißt es mit Verweis auf die bekannteste Atomanlage in Nordkorea.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Ankündigung zur Testanlage Sohae im Kurzbotschaftendienst als "sehr aufregend". Experten bewerteten die Demontage von Sohae hingegen als unbedeutend, da die Anlage veraltet sei und nicht mehr gebraucht werde. Aufgrund von Satellitenbildern war schon im Sommer vermutet worden, dass der Rückbau der Anlage bereits begonnen habe.

"Kim spielt das brillant: Überprüfe, dass ich eine einzige Anlage abbaue, die ich ohnehin nicht mehr benötige, während ich die Raketen, die ich mit Hilfe der Anlage entwickeln konnte, massenweise herstelle", sagte Vipin Narang, Politikwissenschaftler am Massachusetts Intitute of Technology (MIT). Jeffrey Lewis, Experte für Rüstungskontrolle, sagte, es herrsche Konsens darüber, dass die Urananreicherungsanlage in Yongbyon "eindeutig für den Zweck gebaut worden ist, geopfert zu werden".

Moon wollte bei dem Treffen Bewegung in den festgefahrenen Dialog zwischen Pjöngjang und Washington bringen, bei dem es um die atomare Abrüstung des Nordens geht, und Pjöngjang von konkreten Abrüstungsschritten überzeugen. Bei einem Gipfeltreffen mit Trump im Juni in Singapur hatte sich Kim zur Denuklearisierung der Halbinsel bereit erklärt, ein genauer Zeitplan oder weitere Details wurden aber nicht festgelegt.

Die Verteidigungsminister Nord- und Südkoreas unterzeichneten in Pjöngjang ein Abkommen, mit dem die militärischen Spannungen abgebaut werden sollen: Sie vereinbarten den Abbau von elf Wachposten bis zum Jahresende und die Beendigung von Militärübungen an der Grenze ab dem 1. November.

Außerdem vereinbarten sie die Schaffung einer Pufferzone in einem umstrittenen Seegebiet, den Verzicht auf Schüsse und Marineübungen sowie die Einrichtung einer Flugverbotszone im Grenzgebiet, um versehentliche Zusammenstöße zu verhindern.

Noch in diesem Jahr planen Kim und Moon einen Spatenstich für ein Projekt zur Verbindung der Eisenbahnen und Straßen beider Länder. Außerdem soll der gemeinsame Industriepark in Kaesong wieder "normalisiert" werden. Er war nach einem nordkoreanischen Atomtest und einem Raketentest im Jahr 2016 von Seoul geschlossen worden.

Schließlich wollen beide Länder gemeinsam bei internationalen Sportwettkämpfen wie den Olympischen Spielen 2020 antreten und sich gemeinsam für die Austragung der Olympischen Spiele im Jahr 2032 bewerben.

Ein Friedensabkommen zwischen Nord- und Südkorea gibt es bis heute nicht. Der Koreakrieg (1950 bis 1953) endete damals mit einem Waffenstillstand.


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