18.09.2018, 08:38 Uhr

Köln (AFP) Weltweite Kindersterblichkeit erreicht neuen Tiefstand

Junge Mutter in Nepal. Quelle: AFP/BIKRAM RAI (Foto: AFP/BIKRAM RAI)Junge Mutter in Nepal. Quelle: AFP/BIKRAM RAI (Foto: AFP/BIKRAM RAI)

2017 starben 6,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren

Die weltweite Kindersterblichkeit hat im vergangenen Jahr einen neuen Tiefstand erreicht: Vor ihrem fünften Geburtstag starben 5,4 Millionen Kinder, wie aus neuesten Schätzungen der Vereinten Nationen hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurden. 1990 waren noch 12,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren gestorben.

Hinzu kamen 2017 fast eine Million Todesfälle von Mädchen und Jungen zwischen fünf und 15 Jahren. Insgesamt starben somit im vergangenen Jahr 6,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren aus meist vermeidbaren Gründen. "Das ist durchschnittlich ein Todesfall alle fünf Sekunden", erklärte das Kinderhilfswerk Unicef.

"Wir haben seit 1990 bemerkenswerte Fortschritte darin erzielt, Kinder zu retten", erklärte Laurence Chandy, Unicef-Direktor für Daten, Recherche und Politik. Die Überlebenschancen von Millionen von Kindern hingen jedoch immer noch davon ab, in welchem Land und unter welchen Umständen sie geboren werden.

"Ohne verstärkte Maßnahmen werden zwischen heute und dem Jahr 2030 weitere 56 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben - die Hälfte von ihnen Neugeborene", warnte Chandy. Dies könne sich mit einfachen Mitteln wie Medikamenten, sauberem Wasser, Strom und Impfungen ändern.

Die Weltgemeinschaft hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 das Überleben von Neugeborenen und Kleinkindern weltweit zu sichern. Der positive Trend zur Senkung der Kindersterblichkeit setzt sich laut UN-Kinderhilfswerk Unicef zwar weiter fort, aber der Fortschritt geht deutlich zu langsam voran.

Rund die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren gibt es in Afrika südlich der Sahara, weitere 30 Prozent im südlichen Asien. Kinder in ländlichen Regionen sind besonders bedroht; genauso Kinder, deren Mütter keine Schule besucht haben.

Die schlechtesten Überlebenschancen haben statistisch gesehen Kleinkinder in Somalia, Tschad oder der Zentralafrikanischen Republik: Jedes achte Kind erlebt dort nicht einmal seinen fünften Geburtstag. Zum Vergleich: In Deutschland stirbt durchschnittlich eines von 250 Kindern unter fünf Jahren.

Die häufigsten Ursachen sind Komplikationen bei der Geburt, Lungenentzündung, Neugeborenensepsis und Malaria. In den meisten Fällen könnten die Todesfälle von Babys und Kleinkindern mit relativ einfachen und kostengünstigen Maßnahmen wie zum Beispiel Moskitonetzen, guter Hygiene, rechtzeitiger Behandlung und gut ausgestatteten Geburtsstationen vermieden werden. Bei den älteren Kindern und Jugendlichen steigt das Risiko durch Unfälle, insbesondere Verkehrsunfälle und Ertrinken.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef veröffentlichte den Bericht zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation, der Bevölkerungsabteilung der UNO und der Weltbank.


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