18.09.2018, 12:13 Uhr

Seoul (AFP) Südkoreas Staatschef zu Gipfel mit Nordkoreas Machthaber in Pjöngjang


Umarmung durch Kim und jubelnde Menschenmassen in Nordkoreas Hauptstadt

Umarmung in Pjöngjang: Der südkoreanische Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sind am Dienstag zu ihrem dritten Gipfel in diesem Jahr zusammengekommen. Die Begrüßung für den südkoreanischen Staatschef fiel ausgesprochen herzlich aus - und pompös: Tausende Nordkoreaner mit Blumen und Fähnchen säumten die Straßen bei der Fahrt der beiden durch die Stadt.

Nordkorea zelebrierte die Annährung zwischen den beiden Staaten, die jahrzehntelang verfeindet waren, ausgiebig: Kim begrüßte Moon am Flughafen der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Es blieb nicht nur beim freundlichen Händeschütteln, sie umarmten sich sogar. Beide wurden dabei von ihren Ehefrauen begleitet. Danach sprachen die beiden Staatschefs einige Minuten miteinander.

Bei der anschließenden Fahrt durch die Stadt winkten beide aus ihrer offenen Limousine, während tausende Nordkoreaner jubelnd am Straßenrand standen. Die Menge rief dabei wie aus einem Munde: "Wiedervereinigung des Landes!" Bereits am Flughafen waren neben der nordkoreanischen Flagge auch Fahnen zu sehen gewesen, die eine ungeteilte koreanische Halbinsel zeigten.

Der südkoreanische Staatschef wollte bei seinem Besuch in Nordkorea Bewegung in den festgefahrenen Dialog zwischen Pjöngjang und Washington bringen, bei dem es um die atomare Abrüstung des Nordens geht. Dabei geht es auch darum, Pjöngjang von konkreten Abrüstungsschritten zu überzeugen. Zudem will Moon die innerkoreanischen Beziehungen verbessern und militärische Spannungen auf der Halbinsel abbauen, um so den Grundstein für ein Friedensabkommen zu legen.

Er sei sich der "schweren Verantwortung" bewusst, sagte Moon am Sitz der Regierungspartei Nordkoreas, das seit Jahrzehnten autoritär regiert wird. "Die ganze Welt sieht zu und ich würde gerne das Ergebnis von Frieden und Wohlstand den Menschen weltweit zeigen", fügte er hinzu. Moons Eltern waren während des Koreakrieges in den 1950-er Jahren aus dem Norden geflohen, die Halbinsel ist bis heute geteilt.

Kim lobte seinen südkoreanischen Kollegen dafür, dass er den historischen Gipfel zwischen ihm und US-Präsident Donald Trump vermittelt hatte: "Das hat zu Stabilität in der Region geführt, und ich erwarte noch mehr Fortschritte."

Bei dem Gipfel mit Trump im Juni in Singapur hatte sich Kim zur Denuklearisierung der Halbinsel bereit erklärt, ein genauer Zeitplan oder weitere Details wurden aber nicht festgelegt. Seither übt Washington Druck auf Pjöngjang aus, um eine atomare Abrüstung konkret nachzuweisen.

Nordkorea lehnt eine einseitige Entwaffnung aber ab und fordert eine förmliche Erklärung zur Beendigung des Krieges. Der Koreakrieg (1950 bis 1953) endete lediglich mit einem Waffenstillstand, ein Friedensabkommen zwischen Nord- und Südkorea gibt es bis heute nicht.

Moons dreitägiger Nordkorea-Besuch ist der erste eines südkoreanischen Präsidenten in dem international isolierten Land seit rund einem Jahrzehnt. Eine erneute Gesprächsrunde zwischen ihm und Kim war für Mittwoch vorgesehen. Beide hatten sich in diesem Jahr zuvor zwei Mal in der demilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern getroffen. Ende des Monats will der Südkoreaner Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York treffen.

Der südkoreanische Präsident wurde in Nordkorea von einer 200-köpfigen Delegation begleitet, darunter Unternehmenschefs und Vertreter aus Religion, Sport und Kultur. Auch der Samsung-Erbe Lee Jae Yong und der Vize-Chef von Hyundai Motor waren dabei.

Nach Einschätzung von Analysten setzt Kim vor allem auf wirtschaftliche Vorteile durch die Annäherung an Südkorea. Die Bevölkerung im Norden, gegen den internationale Sanktionen wegen seines Atomprogramms verhängt wurden, gilt als völlig veramt. Im Süden wurden in der Presse daher nun Stimmen laut, dass Moon vorsichtig sein solle und substanzielle Fortschritte bei der Denuklearisierung einfordern müsse.


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