17.09.2018, 11:14 Uhr

Berlin (AFP) Mehrere gesetzliche und private Kassen starten elektronische Gesundheitsakte

Zahlreiche Kassen bieten die digitale Patientenakte Vivy an. Quelle: dpa/AFP/Michael Kappeler (Foto: dpa/AFP/Michael Kappeler)Zahlreiche Kassen bieten die digitale Patientenakte Vivy an. Quelle: dpa/AFP/Michael Kappeler (Foto: dpa/AFP/Michael Kappeler)

"Vivy" speichert Daten zu Impfungen, Befunden oder Medikamenten

Arztbefunde, Röntgenbilder oder Medikamente: Versicherte von 14 gesetzlichen und zwei privaten Krankenkassen können ab sofort ihre persönlichen Daten in einer elektronischen Gesundheitsakte speichern. Die kostenlose App "Vivy" steht damit insgesamt rund 13,5 Millionen Versicherten zur Verfügung, wie das gleichnamige Berliner Startup am Montag mitteilte.

Die App erinnert beispielsweise an Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen, speichert digital Überweisungen, U-Hefte und Mutterpass. Darüber hinaus können Nutzer Gesundheitsdaten wie Befunde, Laborwerte und Röntgenbilder speichern und mit dem behandelnden Arzt teilen.

Zudem soll Vivy Wechselwirkungen zwischen Medikamenten erkennen. Wer mehrere Medikamente nimmt, scannt den Code auf der Packung oder dem Medikationsplan und wird automatisch auf Wechselwirkungen hingewiesen, wie die DAK-Gesundheit, eine der beteiligten gesetzlichen Kassen, mitteilte. Auch Fitnesstracker können mit der App gekoppelt werden.

Die Daten der Nutzer sind nach Angaben des Unternehmens in der elektronischen Gesundheitsakte "sicher". Nur die Nutzer selbst entschieden über deren Verwendung. Weder die beteiligten Kassen und Versicherungen noch Vivy oder andere Dritte können demnach auf die Daten zugreifen.

Datenübertragungen sind den Angaben zufolge mit mehrstufigen Sicherheitsprozessen und einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert, zu der nur der Nutzer den Schlüssel hat. Vivy wurde unter anderem vom TÜV Rheinland als sichere Plattform zertifiziert und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Medizinprodukt zugelassen.

Bei Bedarf kann der Versicherte Informationen aus der App teilen – beispielsweise mit seinem behandelnden Arzt. DAK-Vorstandschef Andreas Storm sprach von einer "wichtigen Innovation und einer Weichenstellung für die Versorgung der Zukunft". Besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen werde die App ein Gewinn sein, weil sie beispielsweise ihren Medikationsplan immer dabei hätten.

Neben der DAK-Gesundheit sind bislang vor allem Innungskrankenkassen und Betriebskrankenkassen an der digitalen Gesundheitsakte beteiligt. Auch die Allianz und die Barmenia bieten dies an, die Gothaer soll im Februar folgen.

Bereits im April hatte die Techniker Krankenkasse (TK) für ihre Versicherten eine eigene elektronische Patientenakte eingeführt. Die TK war nach eigenen Angaben die erste Kasse, die bundesweit solch eine digitale Akte anbot. Die AOK startete im vergangenen Jahr in zwei Pilotregionen eine digitale Gesundheitsakte. Neu ist, dass nun verschiedene Kassen solch eine App gemeinsam anbieten.

Über die elektronische Patientenakte wird in Deutschland seit langem diskutiert. Nach den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen gesetzlich Versicherte ab dem Jahr 2021 über Smartphones und Tablets auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen können.


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