17.09.2018, 09:33 Uhr

Washington (AFP) Frau wirft Trumps Richterkandidaten versuchte Vergewaltigung vor

Kavanaugh bei Anhörung im US-Senat. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)Kavanaugh bei Anhörung im US-Senat. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)

Professorin geht mit schweren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit

Eine Hochschullehrerin wirft dem Kandidaten von US-Präsident Donald Trump für das Oberste Gericht, Brett Kavanaugh, versuchte Vergewaltigung vor. In einem Interview mit der "Washington Post" schilderte die kalifornische Professorin Christine Blasey Ford Details des Übergriffs, der sich vor Jahrzehnten auf einer Teenager-Party zugetragen haben soll. Politiker im Senat wollen nun Kavanaughs Bestätigung für das wichtige Richteramt aufschieben, um Ford persönlich anzuhören.

Die Vorwürfe gegen Kavanaugh waren bereits in der vergangenen Woche bekannt geworden, nachdem Ford zwei Parlamentarierinnen vertraulich davon unterrichtet hatte. Sie selbst blieb zunächst anonym, bis sie am Sonntag mit dem Interview aus der Deckung kam. Damit gewinnen die Vorwürfe an Gewicht, weil sie nicht mehr als anonymer Denunziationsversuch abgetan werden können.

Ford sagte der Zeitung, sie habe zunächst "aus Furcht vor Vergeltung" anonym bleiben wollen. Aus "staatsbürgerlicher Verantwortung" habe sie sich nun aber entschlossen, ihre Anschuldigung öffentlich zu erheben.

Der erzkonservative Kavanaugh hatte die Vorwürfe bereits vergangene Woche vehement zurückgewiesen. "Ich habe dies weder damals in der Schule noch sonst irgendwann getan", erklärte er.

In dem Interview schilderte Ford ihre Sicht der Ereignisse, die sich Anfang der 1980-er Jahre bei einer Schüler-Party in einem Privathaus nahe Washington abgespielt haben sollen. Der 1965 geborene Kavanaugh sei damals "sturzbetrunken" gewesen, sagte Ford. Kavanaugh habe sie auf ein Bett gedrückt, sie begrapscht und versucht, sie auszuziehen. Als sie um Hilfe rufen wollte, habe Kavanaugh ihr den Mund zugedrückt.

"Ich habe gedacht, dass er mich versehentlich umbringt", sagte die inzwischen 51 Jahre alte Ford. "Er hat versucht, mich anzugreifen und mich zu entkleiden."

Kavanaugh habe erst von ihr abgelassen, nachdem einer seiner Mitschüler sich auf ihn geworfen habe. Alle drei seien dann aus dem Bett zu Boden gefallen. Sie selbst sei erst ins Badezimmer geflohen und dann nach Hause gegangen.

Die Anschuldigungen der Professorin, die als Mitglied der oppositionellen Demokraten registriert ist, sorgten in der Washingtoner Politik für große Aufregung und stellten den weiteren Zeitplan für Kavanaughs Berufung in Frage.

Der Trump-kritische republikanische Senator Jeff Flake sprach sich dagegen aus, die Nominierung wie geplant am Donnerstag im Justizausschuss des Senats zur Abstimmung zu stellen. Er könne nicht über Kavanaugh befinden, "wenn wir nicht Fords Seite der Geschichte gehört haben", sagte Flake der "Washington Post".

Ohne Flakes Stimme haben die Republikaner nicht die nötige Stimmenzahl, um Kavanaugh im Justizausschuss zu bestätigen und die Angelegenheit für das endgültige Bestätigungsvotum ins Plenum des Senats zu überweisen. Wegen der republikanischen Mehrheit war eigentlich mit einer reibungslosen Bestätigung des Kandidaten gerechnet worden.

Andere Senatoren schlossen sich der Forderung nach einer Anhörung Fords vor dem Ausschuss an. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein erklärte, die US-Bundespolizei FBI müsse in dem Fall ermitteln, ehe der Nominierungsprozess fortgesetzt werden könne.

Die Vorwürfe gegen Kavanaugh erinnern an die turbulente Nominierung des Supreme-Court-Richters Clarence Thomas 1991. Seine ehemalige Mitarbeiterin Anita Hill hatte ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Es entwickelte sich eine regelrechte Schlammschlacht, in deren Verlauf sich Anita Hill schwerer Angriffe auf ihre Glaub- und Ehrwürdigkeit erwehren musste. Thomas wurde dennoch bestätigt und ist heute noch Richter.

Die "Washington Post" zitierte zur Unterstützung von Fords Aussagen aus internen Aufzeichnungen ihres Psychotherapeuten. Im Jahr 2012 hatte Ford demnach in Therapiesitzungen von dem Übergriff berichtet und von einem "Vergewaltigungsversuch" gesprochen. Kavanaughs Name wird in den Unterlagen aber nicht ausdrücklich erwähnt.


0 Kommentare