30.08.2018, 10:38 Uhr

Karlsruhe (AFP) BGH prüft Urteil im Fall einer in Dessau getöteten chinesischen Studentin

Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Uli Deck (Foto: dpa/AFP/Archiv/Uli Deck)Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Uli Deck (Foto: dpa/AFP/Archiv/Uli Deck)

Gericht will Entscheidung in kommender Woche verkünden

Mehr als zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer chinesischen Studentin in Dessau beschäftigt der Fall den Bundesgerichtshof (BGH). Der BGH prüfte am Donnerstag in Karlsruhe das Urteil gegen die Exfreundin des mutmaßlichen Haupttäters, die wegen sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt und vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden war. Eine Entscheidung soll am Donnerstag kommender Woche verkündet werden. (Az. 4 StR 87/18)

Gegen das Urteil des Landgerichts Dessau vom August 2017 legten die Verteidigung der Angeklagten, aber auch die Staatsanwaltschaft Dessau und die Eltern des Opfers als Nebenkläger Revision ein. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger streben eine Verurteilung auch wegen Mordes an.

Der Hauptangeklagte wurde wegen Mordes und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zudem stellte das Landgericht Dessau bei ihm die besondere Schwere der Schuld fest. Er soll die chinesische Architekturstudentin im Mai 2016 misshandelt und getötet haben. Auch in diesem Fall wurden Rechtsmittel eingelegt, über die aber gesondert entschieden wird.

Vor dem BGH ging es in der mündlichen Revisionsverhandlung deshalb nur um das Urteil gegen seine zum Tatzeitpunkt 20-jährige Exfreundin. Sie soll die Studentin unter dem Vorwand in ihr Haus gelockt haben, dass sie Hilfe beim Tragen von Kartons brauche. Ihr damaliger Freund soll die junge Frau dann in eine leerstehende Wohnung gezerrt und dort vergewaltigt haben.

Seiner Freundin soll er schließlich gesagt haben, er werde die Studentin laufen lassen. Nach Überzeugung des Landgerichts Dessau war er aber entschlossen, sie zu töten, um seine Tat zu verdecken. Er soll sie schließlich getötet haben, nachdem seine Freundin zu ihren Kindern in der im selben Haus gelegenen Wohnung gegangen war.

Das Landgericht Dessau sah bei der mitangeklagten Exfreundin keinen Tötungsvorsatz und sprach sie deshalb vom Mordvorwurf frei. Dagegen wenden sich die Staatsanwaltschaft und die Eltern der Studentin mit ihren Revisionsanträgen. Die Anwälte der Eltern begründeten dies in der BGH-Verhandlung vor allem damit, das das Gericht seine Entscheidung nicht ausreichend begründet habe. Der Verteidiger der Angeklagten wiederum begründete seinen Revisionsantrag damit, dass bei der Verurteilung der Erziehungsgedanke des Jugendstrafrechts nicht genug beachtet und die Strafe von fünfeinhalb Jahren deshalb nicht angemessen sei.

Die Vertreterin der Bundesanwaltschaft am Bundesgerichtshof beantragte, die Revisionen als unbegründet abzulehnen. Sie sah keine Rechtsfehler im Urteil des Landesgerichts Dessau. In einer Revisionsverhandlung wird nur geprüft, ob solche Rechtsfehler vorliegen. Der Fall wird aber nicht erneut aufgerollt.


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