28.08.2018, 12:21 Uhr

Gütersloh (AFP) Personalschlüssel in deutschen Kitas weiterhin sehr unterschiedlich

Erzieherin mit Kindern in einer Dresdner Kita. Quelle: dpa/AFP/Arno Burgi (Foto: dpa/AFP/Arno Burgi)Erzieherin mit Kindern in einer Dresdner Kita. Quelle: dpa/AFP/Arno Burgi (Foto: dpa/AFP/Arno Burgi)

Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt aber bundesweit leichte Verbesserung

Die Personalschlüssel in Kindertagesstätten sind in Deutschland nach wie vor sehr unterschiedlich. In Ostdeutschland ist dabei eine Erzieherin oder ein Erzieher weiterhin für mehr Kinder zuständig als in Westdeutschland, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab. In Kinderkrippen und auch in Kindergärten verbesserte sich demnach aber bundesweit die Personalsituation leicht. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) zeigte sich erfreut über den Fortschritt.

Anfang März 2012 war der Studie zufolge in Kinderkrippen eine Fachkraft für 4,8 Kinder in der Ganztagsbetreuung zuständig, im März 2017 waren es 4,3 Kinder. Ähnlich war die Entwicklung in Kindergärten: Während sich 2012 eine Erzieherin oder ein Erzieher um 9,8 Kinder kümmerte, waren es im vergangenen Jahr 9,1 Kinder. Die Stiftung empfiehlt für Kinderkrippen allerdings einen Personalschlüssel von eins zu drei und für Kindergärten von eins zu siebeneinhalb.

Zudem sind die Unterschiede zwischen den west- und ostdeutschen Bundesländern nach wie vor groß. Im Jahr 2017 kamen im Osten auf eine Krippenfachkraft sechs Kinder, im Westen 3,6. In Kindergärten betreute in den ostdeutschen Ländern eine Erzieherin oder ein Erzieher 11,9 Kinder, in Westdeutschland dagegen nur 8,4 Kinder.

Die Studie löste eine Debatte über die Betreuungsqualität in Kindertagesstätten aus. Es sei eine "gute Nachricht", dass sich die Qualität verbessert habe, erklärte Familienministerin Giffey. Es gebe aber noch viel zu tun. Der Bund wolle die Länder mit 5,5 Milliarden Euro bis 2022 unterstützen. Mit dem Geld aus dem Gute-Kita-Gesetz solle die Situation vor Ort konkret verbessert werden.

"Nach dem quantitativen Ausbau muss jetzt das Augenmerk auf die Qualität des Angebots in den Kindertagesstätten gelegt werden", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte verstärkte Anstrengungen, um den Personalschlüssel schnell zu verbessern. "Dieses Schneckentempo bei der Verbesserung der Kitaqualität muss ein Ende haben", erklärte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock mahnte, Kitaqualität dürfe nicht vom Wohnort abhängig sein. Es würden bundesweit einheitliche Qualitätsstandards und eine dauerhafte Beteiligung des Bundes an der Finanzierung gebraucht. Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte die Bundesregierung auf, Mittel zu Qualitätsverbesserung "auskömmlich und unbefristet zur Verfügung zu stellen". Die Länder müssten in die Lage versetzt werden, mehr Erzieher ausbilden und gut bezahlen zu können.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, zeigte sich allerdings überzeugt, dass bundeseinheitliche Personalstandards nicht weiterhelfen würden. Diese würden den "sehr unterschiedlichen Konzepten" vor Ort nicht gerecht.

Die Vizechefin der Unionsbundestagsfraktion, Nadine Schön (CDU), zeigte sich erfreut über die leichte Verbesserung der Personalschlüssel. Mit dem geplanten Gute-Kita-Gesetz solle die Qualität weiter gesteigert werden. Schön mahnte zugleich, auch eine Reduzierung der Kita-Beiträge sei ein "wichtiges Ziel", dürfe aber nicht "zu Lasten der Qualität gehen".


0 Kommentare