26.08.2018, 20:44 Uhr

Phoenix (AFP) Trump-kritischer US-Senator John McCain gestorben


Politiker aus aller Welt würdigen prominenten Republikaner

Der einflussreiche US-Senator und frühere Präsidentschaftskandidat John McCain ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der unerbittliche Kritiker von US-Präsident Donald Trump starb am Samstag auf seiner Ranch in Arizona an den Folgen eines Gehirntumors. Alle noch lebenden früheren US-Präsidenten würdigten die Verdienste des Vietnam-Veterans. Deutsche Politiker priesen ihn als verlässlichen Freund Deutschlands und Europas.

Erst am Freitag hatte McCains Familie mitgeteilt, dass der Senator seine Chemotherapie eingestellt habe. Im vergangenen Jahr war bei McCain ein aggressiver Gehirntumor diagnostiziert worden. Seit Dezember war er daher nicht mehr im Senat, dem er mehr als drei Jahrzehnte angehörte. Stattdessen blieb er für die Krebstherapie auf seiner Ranch im Bundesstaat Arizona, wo er nun im Kreise seiner Familie starb.

McCain gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Senats. 1967 war er im Vietnam-Krieg in Gefangenschaft geraten, wurde gefoltert und kam erst nach mehr als fünf Jahren wieder frei. Ab 1983 saß er zunächst im Repräsentantenhaus und seit 1987 im Senat. Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner verlor er 2008 gegen den Demokraten Barack Obama.

Am Samstagabend wurden die Flaggen über dem Kapitol und dem Weißen Haus auf Halbmast gesetzt. "Senator McCain, danke für Ihren Einsatz", stand auf einem Schild an seiner Ranch in Arizona. Anwohner legten Blumen für den Verstorbenen nieder.

McCains sterbliche Überreste sollen am Mittwoch im Kapitol von Arizona aufgebahrt werden, wie der Gouverneur des Bundesstaates mitteilte, den McCain mehr als 35 Jahre im Kongress repräsentierte. Anschließend soll er unter der Kuppel des Kapitols in Washington aufgebahrt werden - diese Ehre wurde bislang nur wenigen US-Bürgern wie John F. Kennedy, Ronald Reagan und der Bürgerrechtlerin Rosa Parks zuteil.

Die Trauerzeremonie soll in der Nationalkathedrale von Washington stattfinden. Seine letzte Ruhe finden soll McCain, der Sohn eines Admirals, auf dem Gelände der Marineakademie von Annapolis in Maryland.

Monate vor seinem Tod ließ McCain verbreiten, dass er Präsident Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich laut Medienberichten, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden. Auch der amtierende Vize-Präsident Mike Pence wird erwartet.

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen übel verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

Seit Trumps Amtsantritt im Januar 2017 übte McCain immer wieder öffentlich Kritik am Präsidenten. Ende Juli 2017 stoppte er mit seiner Stimme im Senat die von Trump verfolgte Abschaffung des Gesundheitssystems Obamacare.

Trump sprach McCains Familie sein "tiefstes Mitgefühl und Respekt" aus. "Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch", fügte der Präsident in einer kurzen Erklärung im Kurzbotschaftendienst Twitter hinzu.

Obama erklärte, trotz aller Unterschiede hätten McCain und er gemeinsame Ideale geteilt, für die ganze "Generationen von Amerikanern und Einwanderern gekämpft, protestiert und Opfer gebracht" hätten. Bush würdigte McCain als "Mann tiefer Überzeugungen und Patrioten erster Güte". Bushs Vorgänger Bill Clinton betonte, McCain habe als Politiker oft die Parteiinteressen im Interesse des Gemeinwohls beiseite geschoben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den verstorbenen Senator als "unermüdlichen Kämpfer für ein starkes transatlantisches Bündnis". Sie hob den "persönlichen Mut" und die "Aufrichtigkeit" des Trump-Kritikers hervor. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in seinem Kondolenzbrief: "Seine kraftvolle Stimme, seine Unbestechlichkeit und sein fester Glauben an eine freiere, bessere Welt werden uns allen fehlen."


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