24.08.2018, 13:42 Uhr

Treuenbrietzen (AFP) Hunderte Einsatzkräfte kämpfen gegen großen Waldbrand in Brandenburg


Löscharbeiten könnten Tage dauern - Einige evakuierte Anwohner können zurück

Der durch starke Winde angefachte große Waldbrand in Brandenburg könnte womöglich noch Tage lodern. Die weitere Entwicklung hänge vom Wetter ab, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Freitag im Brandgebiet bei Treuenbrietzen südwestlich von Berlin. Dort versuchten nach Angaben des Landkreises Potsdam-Mittelmark hunderte von Einsatzkräften weiter, den auf bis zu 400 Hektar wütenden Brand unter Kontrolle zu bekommen.

Woidke sagte, es sei "momentan leider nicht absehbar, wann wir hier Entwarnung geben können". Es könne sich "um Tage handeln". Insbesondere der Wind bereite "große Sorge". Ein Übergreifen der Flammen auf drei bedrohte Ortsteile hätten die Helfer aber bisher verhindern können. Diese waren am Donnerstag geräumt worden. Am Freitagmittag durften die Bewohner eines Ortsteils aber zurück.

Nach Angaben eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark waren rund 600 Helfer in dem teilweise mit Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg verseuchten Gebiet im Einsatz. Unterstützt wurden sie von zwei Löschhubschraubern der Bundespolizei und der Bundeswehr sowie zwei Wasserwerfern der Polizei. Auch Löschpanzer einer privaten Spezialfirma waren vor Ort, um Schneisen zu ziehen.

Von Entspannung zu reden, sei "noch zu viel gesagt", sagte sie. "Wir hoffen auf Regen." Dieser sei schon mehrfach angekündigt worden, bisher aber nicht gefallen. Ob die Bewohner der anderen zwei geräumten Ortsteile zurückkehren könnten, werde im Vierstundenrhythmus geprüft. Bisher sei das noch unmöglich.

Feuerwehrleute aus ganz Brandenburg und Sachsen-Anhalt waren nach Angaben der Behörden in der Gegend südwestlich von Berlin im Einsatz. Unterstützt wurden sie nach Angaben der Bundeswehr unter anderem auch durch Pionierpanzer. Die Brandursache war zunächst unklar. Dazu lägen bislang noch keine gesicherten Erkenntnisse vor, sagte Regierungschef Woidke. Der Rauch des Feuers zog am Freitag bis nach Berlin und Potsdam.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des heißen Sommers war die Waldbrandgefahr in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Brandenburg mit seinen ausgedehnten Kiefernwäldern ist besonders bedroht. Nach Angaben des benachbarten Landkreises Teltow-Fläming brannte es in der Nähe des Waldbrandes bei Treuenbrietzen noch an zwei weiteren Stellen. Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz standen rund hundert Hektar in Flammen, Häuser waren nicht bedroht.

Bereits vor einigen Wochen hatte es in der Region einen größeren Waldbrand bei Fichtenwalde gegeben. Die Brandbekämpfung dauerte ebenfalls Tage, es kam unter anderem zur Sperrung von Autobahnen. Die Umweltorganisation Nabu machte die Umwandlung von Wäldern in reine Nadelholzmonokulturen für solche Feuer mitverantwortlich.

Der Brand bei Treuenbrietzen war nach Angaben der Behörden am Donnerstagnachmittag ausgebrochen und durch die Windböen einer Gewitterfront in kürzester Zeit gefährlich angefacht worden. Das Feuer breitete sich demnach nicht mehr nur als Flächenbrand über den Waldboden aus, sondern zusätzlich über brennende Baumkronen.

Zugleich sorgte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg für Probleme. Einsatzkräfte durften den Wald teils nicht betreten. Wie die Luftwaffe mitteilte, gelang es in der Nacht nur durch massiven Einsatz eines ihrer Löschhubschrauber, den Ortsteil Klausdorf zu retten. Der Brand sei weniger als hundert Meter entfernt gewesen.

Anwohner beschrieben die Evakuierung als ruhig und geordnet. Von "Panik" sei keine Rede gewesen, sagte einer von ihnen in der Nacht. "Das lief schon alles ganz vernünftig." Es sei aber ein "ganz komisches Gefühl", sagte ein anderer. Mehrere Menschen berichteten, wie sie in großer Eile Dokumente und andere wichtige Dinge in ihre Autos geladen hätten. Die meisten kamen bei Freunden oder Verwandten unter. Auch eine Turnhalle wurde als Notunterkunft geöffnet.

Nach Angaben der Berliner Feuerwehr war das gesamte Stadtgebiet der Hauptstadt am Freitag vom Rauch des Großfeuers betroffen, es kam zu zahlreichen Notrufen wegen der Geruchsbelästigung. Es gebe aber keine Hinweise auf Gesundheitsgefahren, betonten die Retter dort. Die menschliche Nase reagiere sehr empfindlich auf kleinste Spuren von Brandrauch. Notrufleitungen sollten nicht blockiert werden. Auch Potsdam warnte vor den Geruchsbelästigungen.


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