23.08.2018, 09:09 Uhr

Washington (AFP) USA und China läuten neue Strafzollrunde ein

Container aus China in Kalifornien. Quelle: AFP/Archiv/Frederic J. BROWN (Foto: AFP/Archiv/Frederic J. BROWN)Container aus China in Kalifornien. Quelle: AFP/Archiv/Frederic J. BROWN (Foto: AFP/Archiv/Frederic J. BROWN)

Ross: China kann bei Gegenmaßnahmen nicht dauerhaft mitziehen

Ungeachtet neuer Gespräche zur Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China haben die beiden größten Volkswirtschaften am Donnerstag gegenseitig weitere Strafzölle in Kraft gesetzt. Die Regierung in Peking erklärte, sie habe "keine andere Wahl", als auf die jüngsten US-Aufschläge auf Importe aus China mit den "notwendigen Gegenstößen" zu reagieren. US-Handelsminister Wilbur Ross betonte, die USA hätten in dem Konflikt "viel mehr Kugeln" als China.

Die US-Zölle in Höhe von 25 Prozent betreffen chinesische Waren im Wert von 16 Milliarden Dollar (knapp 14 Milliarden Euro). Sie sind Teil eines größeren 50-Milliarden-Dollar-Strafzollpakets, das US-Präsident Donald Trump Mitte Juni verhängt hatte. Davon waren Zölle auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar bereits Anfang Juli in Kraft getreten. Die weiteren 16 Milliarden wurden zunächst ausgesetzt - auch weil US-Unternehmen Sorgen vor den negativen Folgen des sich aufschaukelnden Handelsstreits geäußert hatten.

Peking reagierte am Donnerstag umgehend und verhängte seinerseits Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf US-Importe im Wert von 16 Milliarden Dollar, wie staatliche chinesische Medien unter Berufung auf die Regierung meldeten. Demnach ist Peking entschlossen, weiterhin auf US-Strafzölle zu reagieren.

Das Vorgehen der USA stehe eindeutig im Verdacht, gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zu verstoßen, erklärte das chinesische Handelsministerium und kündigte ein Vorgehen Pekings gegen die US-Aufschläge bei der WTO an.

Die Zölle Pekings zielen - ähnlich wie bei der Gegenreaktion der Europäischen Union auf die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium - auf symbolträchtige US-Produkte, darunter Harley-Davidson-Motorräder. Außerdem sind auch Kipplaster, Asphalt und hunderte weitere Güter betroffen, die aus den USA nach China verschifft werden.

Die US-Zölle betreffen unter anderem Maschinenteile und elektronische Komponenten aus China. Trump, der sich vor allem am seiner Ansicht nach zu hohen Defizit der USA im Handel mit China stört, wirft der Volksrepublik unfaire Handelspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Erst am Dienstag bekräftigte er bei einem Wahlkampfauftritt in West Virginia, die USA seien ein Land, das "von jedem abgezockt" worden sei. Künftig werde dies niemand mehr tun.

Obwohl auch in den USA bei vielen Unternehmen die Sorge vor steigenden Kosten bei der Produktion wächst und zuletzt auch die Notenbank Fed vor den wirtschaftlichen Risiken einer Eskalation der internationalen Handelsstreitigkeiten warnte, drohte der US-Präsident deshalb bereits mit Strafzöllen auf alle chinesischen Importe, die 2017 einen Wert von 505 Milliarden Dollar erreichten.

Trumps Handelsminister Wilbur Ross betonte am Mittwoch, China könne auf Dauer nicht im gleichen Tempo wie die USA Strafzölle verhängen. "Natürlich werden sie ein bisschen Vergeltung üben", aber am Ende hätten die USA "viel mehr Kugeln als sie", sagte Ross dem Sender CNBC. China wisse das. "Wir haben eine viel stärkere Wirtschaft als sie, das wissen sie auch."

Parallel zu den neuen Zöllen finden derzeit in Washington zum ersten Mal seit Juni formelle Gespräche beider Seiten über den Handelsstreit statt. Die Gespräche zwischen dem chinesischen Vize-Handelsminister Wang Shouwen und dem ranghohen US-Finanzministeriumsvertreter David Malpass sollten am Donnerstag fortgeführt werden. China hatte sich im Vorfeld optimistisch geäußert, Trump dämpfte aber die Erwartungen - es seien keine großen Ergebnisse zu erwarten.


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