22.08.2018, 13:12 Uhr

Wiesbaden (AFP) Jugendämter nahmen 61.400 Kinder und Jugendliche vorübergehend in Obhut

Schild an einem Jugendamt. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Max Nikelski (Foto: dpa/AFP/Archiv/Max Nikelski)Schild an einem Jugendamt. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Max Nikelski (Foto: dpa/AFP/Archiv/Max Nikelski)

Mehr als die Hälfte der Maßnahmen nach spätestens zwei Wochen beendet

Deutsche Jugendämter haben im vergangenen Jahr rund 61.400 Kinder und Jugendliche zu deren Schutz vorübergehend in Obhut genommen. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, war bei Kindern unter 14 Jahren eine Überforderung der Eltern der häufigste Grund, bei Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren die unbegleitete Einreise. Der Sozialverband AWO forderte mehr Personal und Geld für die Jugendämter.

Jugendämter nehmen Minderjährige in akuten Krisensituationen in Obhut, bis eine Lösung für das Problem gefunden wurde. Dies kann auch eine vorübergehende Unterbringung in einem Heim oder einer Pflegefamilie sein. Mehr als die Hälfte der Inobhutnahmen endete nach spätestens zwei Wochen. Ein Vergleich mit Vorjahreszahlen ist laut Statistischem Bundesamt schwierig, da sich die Gesetzeslage zum Umgang mit unbegleitet eingereisten Minderjährigen änderte.

Etwa ein Drittel oder rund 20.000 der Betroffenen waren Kinder. Bei ihnen war in 49 Prozent der Fälle Überforderung der Eltern der Grund für die Inobhutnahme, der Schutz vor Vernachlässigung in 21 Prozent und der Schutz vor Misshandlung in weiteren 14 Prozent der Fälle.

Zwei Drittel oder rund 41.000 waren Jugendliche. 51 Prozent von ihnen wurden nach Angaben der Statistiker wegen einer unbegleiteten Einreise in Obhut genommen, Überforderung der Eltern war in 18 Prozent der Fälle der Grund, in acht Prozent waren es allgemeine Beziehungsprobleme.

Von den Kindern kehrten 43 Prozent nach Ende der Inobhutnahmen wieder zu ihren Erziehungsberechtigten zurück, 32 Prozent kamen danach in ein Heim oder eine Pflegefamilie. Bei den Jugendlichen kehrten 19 Prozent zu den Sorgeberechtigten zurück, 26 Prozent gingen in ein Heim, eine Pflegefamilie oder betreute Wohnformen. Auch andere stationäre Hilfen etwa in Jugendpsychiatrien oder Kliniken wurden in 20 Prozent der Fälle in Anspruch genommen.

Der AWO kritisierte, die Personallage in Jugendämtern lasse eine intensive Arbeit mit Familien nicht mehr zu. Dies führe dazu, dass sich Krisen zuspitzten und Inobhutnahmen notwendig würden. Auch Kitas und Einrichtungen für Familienbildung und Erziehungshilfen müssten besser gefördert werden. "Der Bund sollte die kommunale Jugendhilfe nicht im Regen stehen lassen", forderte der Verband.

Katja Mast, Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, will "Familien weiter stärken und Kinder noch mehr vor Gefährdungen schützen". "Die enge Kooperation aller relevanten Akteure muss einen noch stärkeren Stellenwert einnehmen", erklärte sie. Ein weiterer wichtiger Schritt werde sein, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.


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