21.08.2018, 16:28 Uhr

Kabul (AFP) Heftige Kämpfe in Kabul nach Granatenangriffen auf die Altstadt

Armeehubschrauber nahe Moschee in Kabul   . Quelle: AFP/WAKIL KOHSAR (Foto: AFP/WAKIL KOHSAR)Armeehubschrauber nahe Moschee in Kabul . Quelle: AFP/WAKIL KOHSAR (Foto: AFP/WAKIL KOHSAR)

Detonationen während Rede von Präsident Ghani zum islamischen Opferfest

Schwere Kämpfe haben am Dienstag die afghanische Hauptstadt Kabul erschüttert. Angreifer feuerten während einer live auf Facebook übertragenen Rede von Präsident Ashraf Ghani Mörsergranaten auf Ziele in mehreren Stadtteilen ab. Die Armee reagierte mit Hubschrauberangriffen. Nach mehreren Stunden erklärte ein Armeesprecher die Attacke für beendet, zwei Angreifer seien getötet worden. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte den Angriff für sich.

Der Angriff ereignete sich, während Präsident Ghani im Präsidentenpalast eine Rede zum ersten Tag des islamischen Opferfestes hielt. Während der direkt auf Facebook übertragenen Ansprache war zu sehen, wie Ghani innehielt, während im Hintergrund mehrere Einschläge zu hören waren. Daraufhin sagte der Präsident: "Diese Nation wird sich diesen Raketenangriffen nicht beugen."

Laut Polizei feuerten die Angreifer bis zu 20 Mörsergranaten auf Ziele in vier Stadtteilen ab. Sechs Menschen wurden nach Armeeangaben verletzt. Zwei Angreifer seien schließlich getötet worden. Die Polizei sprach dagegen von vier festgenommenen Angreifern. Ein Sprecher der US-Truppen in Afghanistan wiederum sprach von insgesamt neun Angreifern, von denen vier getötet worden seien und fünf sich den afghanischen Truppen ergeben hätten.

Die Männer hatten sich in einem Gebäude hinter der Eidgah-Moschee in der Kabuler Altstadt verschanzt. Ein Armeehubschrauber feuerte eine Rakete auf das Gebäude ab. Die Moschee befindet sich in der Nähe des Präsidentenpalastes.

Erst am Sonntag hatte Ghani den radikalislamischen Taliban anlässlich des Opferfests Eid al-Adha erneut eine Waffenruhe angeboten. Sie sollte am Montag in Kraft treten und bis zum 21. November gelten, dem Geburtstag des Propheten Mohammed. Voraussetzung sei allerdings, dass die Taliban ebenfalls eine Feuerpause verkünden. Die Taliban haben bisher nicht offiziell auf das Angebot reagiert. Ein Sprecher betonte am Dienstag, die Gruppe habe "nichts zu tun" mit dem Angriff in Kabul.

Die Dschihadistenmiliz IS beanspruchte hingegen den Angriff für sich und erklärte, dieser habe "dem Hauptquartier des Präsidenten" gegolten.

Im Juni hatte die Regierung erstmals einseitig eine Waffenruhe mit den Taliban ausgerufen, sie aber nach 18 Tagen für beendet erklärt. In diesem Monat lieferten sich die Konfliktparteien schwere Kämpfe in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Ghasni. Die Taliban hatten die Stadt am 9. August angegriffen, es gab tagelange Gefechte. Inzwischen vertrieben Regierungstruppen die Kämpfer wieder aus der Stadt.


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