18.08.2018, 09:24 Uhr

Genua (AFP) Weitere Leichen nach Brückeneinsturz in Genua entdeckt

Angehörige an den Särgen der Toten in Genua. Quelle: AFP/Andrea LEONI (Foto: AFP/Andrea LEONI)Angehörige an den Särgen der Toten in Genua. Quelle: AFP/Andrea LEONI (Foto: AFP/Andrea LEONI)

Hinterbliebene treffen zu Trauerfeier ein

Rettungskräfte haben in den Trümmern der eingestürzten Autobahnbrücke in Genua weitere Todesopfer gefunden. Feuerwehrleute entdeckten die Leichen nach Angaben des Katastrophenschutzes in der Nacht zum Samstag in einem Auto, das unter einem Betonblock begraben lag. Italienischen Medien zufolge handelt es sich bei den Opfern um ein Ehepaar und seine neunjährige Tochter.

In einer Messehalle trafen derweil Hinterbliebene, Politiker und Einwohner Genuas zur staatlichen Trauerfeier für die Opfer des Unglücks ein. Dort waren 18 Särge aufgebahrt, darunter ein kleiner weißer mit der Leiche des jüngsten Opfers, des achtjährigen Samuele. Er war mit seinen Eltern unterwegs zur Fähre Richtung Sardinien, wo die Familie Ferien machen wollte.

Die Angehörigen mehrerer Opfer wollten der zentralen Zeremonie fernbleiben. Einige ziehen private Trauerfeiern in ihren jeweiligen Städten vor, andere boykottieren die Veranstaltung in Genua aus Protest. "Mein Sohn wurde ermordet", schimpfte am Freitagabend der Vater eines von vier bei dem Unglück getöteten Jugendlichen aus Torre del Greco bei Neapel. "Man sollte nicht durch Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit, Oberflächlichkeit und Bürokratie sterben müssen", sagte Neapels Erzbischof Crescenzio Sepe bei der Trauerfeier für die vier.

Zu der Zeremonie werden Präsident Sergio Mattarella, die Präsidenten der beiden Parlamentskammern, die meisten Minister sowie Vertreter ausländischer Regierungen erwartet. Medienberichten zufolge wollen auch ranghohe Vertreter des Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia teilnehmen.

Die italienische Regierung macht das Privatunternehmen für das Unglück verantwortlich und wirft ihm mangelhafte Wartungsarbeiten vor. Die Firma betreibt die A10, zu der die eingestürzte Brücke gehört. Autostrade per l'Italia weist die Vorwürfe zurück. Die Brücke sei vorschriftsmäßig vierteljährlich überprüft worden. Außerdem seien zusätzliche Tests mittels hochspezialisierter Geräte erfolgt.

Landesweit gilt am Samstag Staatstrauer. Vor öffentlichen Gebäuden wehte die Fahne auf Halbmast. Bei den Fußballspielen des Wochenendes tragen die Spieler schwarze Armbinden und legen eine Schweigeminute ein. Die Partien der beiden genuesischen Teams, Sampdoria und Genua, wurden verschoben.

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war am Dienstag während eines Unwetters auf einer Länge von mehr als 200 Metern eingestürzt.


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