17.08.2018, 12:50 Uhr

Lalisch (AFP) Jesidische IS-Sklavin trifft nach eigenen Worten in Deutschland auf Peiniger

Aschwak Hadschi. Quelle: AFP/- (Foto: AFP/-)Aschwak Hadschi. Quelle: AFP/- (Foto: AFP/-)

Junge Frau flüchtet zurück in den Irak - Deutsche Behörden mit Fall befasst

Eine von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verschleppte und versklavte junge Jesidin aus dem Irak ist nach ihrer Flucht nach Deutschland dort nach eigenen Worten ihrem IS-Peiniger wieder begegnet. Die Bundesanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, sie befasse sich mit dem Fall, eine Untersuchung laufe.

Die 19-jährige Aschwak Hadschi schilderte AFP, sie sei am 3. August 2014 vom IS im Irak verschleppt und für 100 Dollar an einen IS-Kämpfer verkauft worden. Dieser Mann habe sich Abu Humam genannt und sie als Sexsklavin gehalten und monatelang missbraucht, bis ihr nach mehr als drei Monaten am 22. Oktober die Flucht gelungen sei.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder, die ebenfalls zeitweise Gefangene des IS waren, floh Aschwak Hadschi 2015 nach Deutschland. Die drei lebten in einem Flüchtlingsheim in Schwäbisch Gmünd, der Vater Hadschi Hamid blieb im Irak zurück.

In Schwäbisch Gmünd ging Aschwak Hadschi zur Schule und lernte Deutsch, wie sie berichtete. Bis zum 21. Februar dieses Jahres: An dem Tag war sie nach eigenen Worten in einem Supermarkt, als sie einen Mann aus einem Auto steigen sah. Der Mann habe sie beim Namen gerufen und auf Deutsch gesagt, er sei Abu Humam. Verängstigt habe sie so getan, als kenne sie ihn nicht, doch der Mann habe auf Arabisch auf sie eingeredet.

"Er hat mir gesagt 'lüg mich nicht an, ich weiß genau dass du Aschwak bist und mit deiner Mutter und deinem Bruder in Deutschland lebst'", berichtete Aschwak. "Er hat sogar meine Adresse genannt und andere Einzelheiten aus unserem Leben in Deutschland."

Nach dem Vorfall wandte sich Aschwak Hadschi sofort an die Polizei. "Sie haben mir gesagt, dass der Mann genau wie ich als Flüchtling gekommen sei und mir eine Telefonnummer für den Notfall gegeben", sagte die 19-Jährige. Nach eigenen Worten sichtete Aschwak mit den Polizisten auch Videomaterial aus einer Überwachungskamera des Supermarkts.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärte, es habe am 13. März Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Diese könnten derzeit jedoch nicht fortgesetzt werden, weil Aschwak Hadschi als Zeugin "für Rückfragen aktuell nicht erreichbar ist".

Tatsächlich verließ Hadschi Ende März nach eigenen Worten aus Angst vor ihrem IS-Peiniger Deutschland und kehrte in den Irak zurück, wo sie seither mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Ihr in einem Flüchtlingslager im kurdischen Norden des Irak lebender Vater sah die Rückkehr der drei mit gemischten Gefühlen. "Aber als ihre Mutter mir sagte, dass sie diesen Dschihadisten getroffen hat, habe ich ihr gesagt, sie soll zurückkommen. Deutschland ist offensichtlich kein sicherer Ort mehr für sie."

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte AFP, Hadschis Angaben seien der Behörde bekannt und die Ermittler seien diesen nachgegangen. "Aber es ist uns bislang nicht gelungen, anhand der zur Verfügung stehenden Beweismittel den mutmaßlichen Täter mit der gebotenen Sicherheit zu identifizieren." Die Untersuchung laufe weiter.

Der IS hatte im Sommer 2014 zeitweise weite Teile des Irak erobert. Im Nordwesten des Landes verschleppten die Islamisten tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. Die Dschihadisten sehen die Jesiden als Ungläubige an und verfolgen, misshandeln und töten sie. Tausende jedische Frauen wurden als Sexsklavinnen missbraucht oder getötet. Offiziellen Statistiken zufolgen konnten bislang 3315 Jesiden aus den Händen des IS entkommen. Etwa ebenso viele werden noch immer von den Dschihadisten festgehalten oder gelten als vermisst.

Aschwak Hadschi lebt heute wieder im Norden des Irak. Nach Deutschland will sie aus Furcht vor ihrem Peiniger nicht zurückkehren. Doch auch im Irak lebt sie nach eigenen Worten in Angst, weil Abu Humam Verwandte in Bagdad habe.


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