17.08.2018, 12:32 Uhr

Barcelona (AFP) Spanien gedenkt der Opfer der Anschläge in Katalonien vor einem Jahr


Attentäter töteten in Barcelona und Cambrils 16 Menschen

Spanien hat der Opfer der Anschläge in Katalonien vor einem Jahr gedacht. An der zentralen Gedenkfeier in Barcelona nahmen am Freitag neben Angehörigen auch der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und König Felipe VI. teil. Bei den Anschlägen in Barcelona und Cambrils waren insgesamt 16 Menschen getötet worden. Die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens nutzten das Gedenken, um ihre Forderungen zu bekräftigen.

Ein 22-jähriger gebürtiger Marokkaner war am 17. August 2017 mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas gerast. "Ich hatte so ein Glück, weil ich eine halbe Stunde vorher gegangen bin", erinnerte sich der Blumenverkäufer Fidel Poles am Freitag an den Anschlag. Seine Mutter sei allerdings zum Zeitpunkt des Angriffs noch auf der Flaniermeile gewesen. Die Erfahrung beeinträchtige sie noch immer.

Wenige Stunden danach hatten Angreifer in dem nahegelegenen Badeort Cambrils ein Auto in eine Gruppe von Passanten gelenkt und dort auf mehrere Menschen eingestochen. Bei den Anschlägen wurden insgesamt mehr als 120 Menschen verletzt.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Taten für sich. Ermittler fanden jedoch keine Verbindungen der katalanischen Anschlagszelle zu internationalen Organisationen.

Ein marokkanischer Imam soll die Attentäter, die ebenfalls marokkanische Wurzeln hatten, radikalisiert haben. Er starb einen Tag vor den Attentaten bei einer Explosion in einem Haus, in dem die Gruppe Sprengsätze herstellte.

"Ich erinnere mich nicht an den Angreifer, ich hab nur gesehen, wie er auf mich eingestochen hat", sagte Rubén Guiñazu, der damals in Cambrils war. Das Messer sei 15 Zentimeter tief in seinen Kopf eingedrungen. Demnach traf das Messer seine Mandeln, seine Halsschlagader, seine Stimmbänder und seine Zunge.

Kurz nach den Anschlägen im August vergangenen Jahres war der Konflikt um eine Abspaltung Kataloniens von Spanien eskaliert. Am 1. Oktober 2017 fand das als illegal eingestufte Referendum statt, das der damalige Regionalpräsident Carles Puigdemont organisiert hatte. Nach der Abstimmung rief die Regionalregierung einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens aus und wurde daraufhin von der spanischen Zentralregierung unter dem damaligen konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy abgesetzt.

Auch während der Gedenkfeier am Freitag machten Unabhängigkeitsbefürworter auf ihre Forderungen aufmerksam. Auf einem Plakat an dem Catalunya-Platz, wo die Zeremonie stattfand, stand auf Englisch zu lesen, "der spanische König" sei "nicht willkommen" in Katalonien. Der Monarch hatte sich gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen gestellt. Deren Anhänger organisierten daher eigene Gedenkveranstaltungen am Freitag.

Sie erinnerten an der Flaniermeile Las Ramblas auch an ihre inhaftierten Mitstreiter. "Befreit die politischen Gefangenen. Ohne sie ist diese Zeremonie eine Farce", hieß es auf einem Banner.

Die spanische Justiz geht gegen einige Politiker und Aktivisten wegen ihres Einsatzes für die katalanische Unabhängigkeit vor. Direkt unter das Banner legten Angehörige der Anschlagsopfer Blumen auf ein Mosaik des Künstlers Joan Miró nieder.

Spaniens neuer sozialistischer Ministerpräsident Sánchez rief unterdessen angesichts von "Terror und Barbarei" zu Zusammenhalt auf. Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra erklärte, nach der Attacke sei Katalonien "noch überzeugter von seinen Prinzipien". Zudem kritisierte er die "ungerechte" Inhaftierung des Unabhängigkeitsbefürworters und ehemaligen Innenministers der Region, Joaquim Forn.


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