17.08.2018, 14:46 Uhr

Washington (AFP) Trumps Militärparade aus Kostengründen verschoben


US-Präsident will stattdessen Parade in Paris beiwohnen

Paris statt Washington: US-Präsident Donald Trump verzichtet wegen der ausufernden Kosten auf die geplante Militärparade in der US-Hauptstadt und will stattdessen zur Parade zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges nach Frankreich reisen. Der Plan für den von ihm gewünschten Militäraufmarsch in Washington sei an den "lächerlich hohen" Kostenforderungen der dortigen Kommunalpolitiker gescheitert, kritisierte der Präsident am Freitag.

Die Idee einer "großartigen, feierlichen Militärparade" will Trump aber noch nicht endgültig aufgeben: "Vielleicht machen wir nächstes Jahr etwas in (Washington) D.C., wenn die Kosten viel niedriger sind", schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: "Jetzt können wir weitere Kampfflieger kaufen!"

Die Parade in Washington hätte eigentlich am 10. November stattfinden sollen. Trump will nun zur Weltkriegsparade am 11. November nach Paris reisen. Der US-Präsident kündigte zudem an, er werde eine bereits geplante Parade auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews nahe Washington besuchen.

Die Absage war am Donnerstag (Ortszeit) vom Pentagon bekannt gegeben worden. "Wir hatten ursprünglich den 10. November 2018 anvisiert, werden aber nun nach einem Termin in 2019 schauen", erklärte Pentagon-Sprecher Rob Manning. Der 11. November ist in den USA der Veteranentag.

Trump hatte im vergangenen Jahr auf den Pariser Champs-Elysées der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli beigewohnt und sich beeindruckt von der pompösen Schau gezeigt. So entstand die Idee einer eigenen Parade in Washington.

Anfang Februar kündigte das Weiße Haus dann an, Trump wünsche sich eine solche Parade, um die Stärke des US-Militärs zu unterstreichen. Die Kosten wurden damals mit zwischen zehn und 30 Millionen Dollar angegeben. Wie AFP aus Regierungskreisen erfuhr, dürfte die von Trump gewünschte Militärparade dies deutlich sprengen und bis zu 92 Millionen Dollar (81 Millionen Euro) kosten.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis wies diese Zahlen allerdings zurück. Er habe nie eine Kostenschätzung erhalten, sagte er Medienvertretern, die ihn auf einer Südamerikareise begleiteten.

Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser reagierte am Freitag mit Ironie auf Trumps Kritik nach der Absage der Parade. Sie sei "die Lokalpolitikerin" die dem "Reality Star im Weißen Haus" letztendlich die Kosten einer Parade "in Trumps Amerika" vermitteln habe, schrieb Bowser auf Twitter. Mit ironischem Verweis auf ein von Trump gerne in seinen Tweets benutztes Wort fügte sie hinzu: "traurig."

Während die Idee einer Parade bei vielen US-Bürgern auf ein positives Echo stieß, kritisierten US-Medien die hohen Ausgaben.

Auch Veteranen hatten das Vorhaben kritisiert. "Bis wir den Sieg im Kampf gegen den Terrorismus erklären und unsere Soldaten nach Hause bringen, sollte das Geld für die Parade lieber dafür eingesetzt werden, das Veteranen-Ministerium zu finanzieren und unseren Soldaten und ihren Familien die beste Versorgung zu geben", erklärte Denise Rohan von der Organisation American Legion.

Militärparaden sind in den USA nur üblich, wenn ein Konflikt siegreich beendet wird. Zuletzt gab es 1991 nach dem Ende des Golfkriegs eine große Parade.


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