08.08.2018, 16:04 Uhr

Moskau (AFP) Cousine: Hungerstreikender Filmregisseur Senzow könnte bald sterben

Filmemacher Oleg Senzow. Quelle: AFP/Archiv/SERGEI VENYAVSKY (Foto: AFP/Archiv/SERGEI VENYAVSKY)Filmemacher Oleg Senzow. Quelle: AFP/Archiv/SERGEI VENYAVSKY (Foto: AFP/Archiv/SERGEI VENYAVSKY)

In Russland inhaftierter Ukrainer will Freilassungen erzwingen

Der seit 87 Tagen hungerstreikende ukrainische Filmemacher Oleg Senzow schwebt nach Angaben seiner Cousine in akuter Lebensgefahr. Ihr in Russland inhaftierter Verwandter habe ihr über seinen Anwalt einen Brief zukommen lassen, schrieb Natalja Kaplan am Mittwoch im Onlinenetzwerk Facebook. Darin schreibe der 42-Jährige, sein Ende sei nah. Senzows Gesundheitszustand sei "katastrophal", betonte Kaplan. Er könne nicht mal mehr aufstehen.

Eine ukrainische Außenamtssprecherin forderte den Westen am Mittwoch auf, den Druck auf Moskau zur Freilassung Senzows zu verstärken. Sein Verteidiger Dmitri Dinse hatte am Dienstag mitgeteilt, der seit dem 14. Mai im Hungerstreik befindliche Senzow habe 30 Kilogramm Körpergewicht verloren. Er will erst aufhören, wenn Russland alle - nach Kiewer Schätzungen rund 70 - ukrainischen "politischen Gefangenen" freilässt.

In einer handschriftlichen auf Dienstag datierten Notiz, die Dinse über Facebook verbreitete, lehnt Senzow einen Vorschlag von Anwälten ab, ihn in ein Krankenhaus seiner Heimatregion Krim zu verlegen. Er sei in seiner jetzigen Lage "nicht transportfähig". Senzow wird in einer Strafkolonie in Russlands äußerstem Norden festgehalten.

Der Filmemacher und Aktivist war 2014 auf der Halbinsel Krim nach deren Annexion durch Russland festgenommen worden. Die russische Justiz befand ihn für schuldig, Brandanschläge auf Büros von moskaufreundlichen Parteien auf der Krim organisiert zu haben, und verurteilte ihn zu 20 Jahren Haft wegen "Bildung einer terroristischen Vereinigung" und "Waffenschmuggels".

Das Schicksal des Regisseurs sorgt für internationale Proteste. Der Europarat, die G7, der französische Präsident Emmanuel Macron und bekannte Persönlichkeiten wie der US-Autor Stephen King, der spanische Filmemacher Pedro Almodóvar und der US-Schauspieler Johnny Depp forderten seine Freilassung.


0 Kommentare