05.08.2018, 14:35 Uhr

Flims (AFP) Alle 20 Insassen bei Absturz von Oldtimer-Flugzeug in Schweizer Alpen getötet

Die abgestürzte Maschine am Piz Segnas. Quelle: Police Cantonale des Grisons/AFP/Handout (Foto: Police Cantonale des Grisons/AFP/Handout)Die abgestürzte Maschine am Piz Segnas. Quelle: Police Cantonale des Grisons/AFP/Handout (Foto: Police Cantonale des Grisons/AFP/Handout)

Junkers Ju-52 fiel wie Stein vom Himmel - Unglücksursache noch unklar

Tragisches Ende einer Rundflugreise mit einem Oldtimer-Flugzeug in den Alpen: Beim Absturz einer Junkers Ju-52 in der Schweiz sind nach Angaben der Polizei vom Sonntag alle 20 Insassen ums Leben gekommen. Warum die Maschine des auch als "Tante Ju" bekannten historischen Typs am Samstag in rund 2500 Meter Höhe am Berg Piz Segnas im Kanton Graubünden abstürzte, war zunächst unklar.

An Bord der rund 79 Jahre alten Maschine der auf Erlebnisflüge spezialisierten Firma JU-Air befanden sich der Polizei zufolge 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder im Alter von 42 bis 84 Jahren. Bei den Toten handelte es sich laut JU-Air um Schweizer sowie ein Ehepaar aus Österreich mit ihrem Sohn. Demnach hatten die Passagiere eine zweitägige Rundreise mit Übernachtung von Dübendorf bei Zürich nach Locarno im Tessin und zurück gebucht.

Am Samstagnachmittag war die historische Ju-52 auf dem Rückflug verunglückt und etwa auf halbem Weg in die Westflanke des Piz Segnas gestürzt. Die Schweizer Behörden starteten daraufhin eine großangelegte Rettungsaktion mit fünf Hubschraubern - für die elf Männer und neun Frauen an Bord kam allerdings jede Hilfe zu spät.

Ersten Erkenntnissen zufolge stürzte die Maschine offenbar wie ein Stein vom Himmel. Aus dem Trümmerbild sei zu entnehmen, dass sie "nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt ist", sagte Daniel Knecht von der Schweizer Behörde für Flugunfalluntersuchungen (Sust) am Sonntag in Flims auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei, Behörden und Flugfirma.

Die Ursache dafür sei noch unklar und werde nun untersucht, sagte er. Nach derzeitigem Informationsstand auszuschließen sei aber eine Kollision mit einem anderen Flugzeug oder einem Hindernis wie einer Stromleitung sowie "Fremdeinwirkung" anderer Art. Klar sei auch, dass die Maschine nicht in der Luft auseinanderbrach. Laut Polizei setzten die Piloten offenbar auch keinen Notruf ab.

JU-Air-Chef Kurt Waldmeier betonte, die Ju-52 sei gerade wegen ihres hohen Alters permanent gewartet worden und habe sich in einem technisch einwandfreien Zustand befunden. Sie sei alle 35 Flugstunden turnusmäßigen Kontrollen unterzogen worden, zuletzt Ende Juli. Es seien keine technischen Probleme bekannt gewesen. Die zwei Piloten im Alter von 62 und 63 Jahren seien Berufs- und Militärpiloten mit jeweils mehr als 30 Jahren Flugerfahrung gewesen.

JU-Air könne sich das tragische Unglück "noch nicht erklären", sagte der Firmenchef. Es sei der erste Flugunfall der Firma seit 1983, bei dem es Tote oder Verletzte gegeben habe. Das Unternehmen werde die Ermittlungen zur Unfallursache nach Kräften unterstützen.

Auf Medienspekulationen über die aktuelle Hitzewelle als mögliche Unglücksursache reagierte Waldmeier zurückhaltend. Erwärmte Luft ist dünner und erzeugt weniger Auftrieb. Das aber sei ein Faktor, den derart erfahrene Piloten berücksichtigt haben dürften, sagte er auf entsprechende Fragen. Knecht von der Flugunfallbehörde sagte, es werde grundsätzlich untersucht, ob das Wetter eine Rolle gespielt habe.

Es sei zu früh für entsprechende Aussagen, er könne allerdings auch noch nichts ausschließen. Generell werde ein Unfall nie allein durch Witterungseinflüsse ausgelöst, betonte er.

Erschwert werden dürften die Ermittlungen nach seinen Angaben dadurch, dass derart alte Flugzeuge noch nicht mit einer Black Box ausgerüstet sind. Diese zeichnet Daten des Flugbetriebs auf, was die Aufklärung der Ursache von Abstürzen stark erleichtert.

Die unter dem Spitznamen "Tante Ju" bekannten dreimotorigen Ju-52 wurde von den 1930er bis in die 1950er Jahre von dem deutschen Flugzeugbauer Junkers produziert und waren weltweit im Einsatz. Die noch flugfähigen Modelle werden oft für Rundflüge eingesetzt.

Bei der JU-Air sind nach eigenen Angaben drei Ju-52 im Einsatz. Die Firma wurde 1982 vom Verein der Freunde der Schweizerischen Luftwaffe (VFL) gegründet. Ziel war, die kurz zuvor vom Militär der Alpenrepublik ausgemusterten "Tante Jus" zu übernehmen und damit Flüge anzubieten. Das Unglücksflugzeug wurde 1939 gebaut. Neben den beiden Piloten war auch eine Flugbegleiterin an Bord.


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