03.08.2018, 11:26 Uhr

Singapur (AFP) Keine Einigung in Streit zwischen Washington und Ankara um US-Pastor

Mike Pompeo in Singapur. Quelle: AFP/MOHD RASFAN (Foto: AFP/MOHD RASFAN)Mike Pompeo in Singapur. Quelle: AFP/MOHD RASFAN (Foto: AFP/MOHD RASFAN)

Türkischer Außenminister trifft Pompeo und weist Drohungen der USA zurück

Keine Einigung im Streit zwischen Washington und Ankara um den in der Türkei inhaftierten US-Pastor: US-Außenminister Mike Pompeo bekräftigte bei einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu am Freitag die Entschlossenheit der USA, die Freilassung des Pfarrers zu erreichen, während Cavusoglu erneut die "Drohungen und Sanktionen" der US-Regierung zurückwies. Zwar nannten beide Seiten das Treffen "konstruktiv", doch gab es offenbar keine Annäherung.

Pompeo hatte vor dem Treffen die Hoffnung geäußert, dass die Türkei die am Mittwoch von US-Präsident Donald Trump beschlossenen Sanktionen gegen die türkischen Minister für Inneres und Justiz als Hinweis verstehen werde, dass "es uns sehr ernst ist". Seine Sprecherin Heather Nauert sprach nach dem Gespräch von einer "konstruktiven Unterhaltung", bei der vereinbart worden sei, "weiter zu versuchen, die Probleme zwischen unseren Ländern zu lösen".

Cavusoglu lobte das Treffen mit Pompeo am Rande eines Asean-Gipfels in Singapur ebenfalls als "extrem konstruktiv", warnte jedoch, dass der Streit um den inhaftierten Pastor Andrew Brunson nicht "bei einem Treffen" gelöst werden könne. "Wir haben von Anbeginn gesagt, dass die drohende Sprache und Sanktionen der anderen Seite kein Ergebnis zeigen werden. Wir wiederholen dies heute", sagte Cavusoglu im türkischen Fernsehen.

Trump hatte am Mittwoch Sanktionen gegen den türkischen Innenminister Süleyman Soylu und Justizminister Abdülhamit Gül wegen ihrer Rolle bei der Inhaftierung Brunsons verhängt. Die Türkei kündigte umgehend Gegensanktionen an, gab bisher aber keine Strafmaßnahmen bekannt. Zwar wurden das US-Vorgehen in der Türkei über die Parteigrenzen hinweg verurteilt, doch äußerte sich Präsident Recep Tayyip Erdogan zunächst nicht dazu.

Brunson befindet sich seit Oktober 2016 unter dem Vorwurf der Spionage und der Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sowie der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen in türkischer U-Haft. Trump und sein Vize Mike Pence dringen seit langem auf die Freilassung des Pfarrers, der vor seiner Festnahme in der westtürkischen Küstenstadt Izmir zwei Jahrzehnte lang eine kleine Kirche betrieb.

Vergangene Woche wurde Brunson zwar in den Hausarrest verlegt, doch wurde das Verfahren gegen ihn aufrecht erhalten. Trump und Pence reagierten verärgert auf die Entscheidung und kündigten Sanktionen an, die am Mittwoch umgesetzt wurden. Die Sanktionierung von Kabinettsmitgliedern eines Nato-Partners ist ein drastischer Schritt und hat die türkische Währung weiter einbrechen lassen, die ohnehin seit Monaten auf Talfahrt ist.

Die Beziehungen der beiden Verbündeten sind seit längerem angespannt. Die Türkei fordert von den USA den Stopp der US-Militärhilfe für die syrischen Kurden und die Auslieferung des im US-Exil lebenden Predigers Gülen, den Ankara für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich macht. Washington ist seinerseits besorgt über die Menschenrechtslage in der Türkei und den geplanten Kauf von russischen S400-Raketen.


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