27.07.2018, 10:14 Uhr

San Francisco (AFP) US-Großkonzern Amazon präsentiert sattes Gewinnplus im zweiten Quartal

Amazon-Chef Jeff Bezos . Quelle: AFP/Archiv/JASON REDMOND (Foto: AFP/Archiv/JASON REDMOND)Amazon-Chef Jeff Bezos . Quelle: AFP/Archiv/JASON REDMOND (Foto: AFP/Archiv/JASON REDMOND)

Boomender Internethandel und Cloud-Dienste treiben Geschäft an

Angetrieben durch den boomenden Internethandel und sein Geschäft mit Cloud-Diensten hat der US-Großkonzern Amazon glänzende Geschäftszahlen vorgelegt. Der Nettogewinn des Onlinehändlers stieg im zweiten Quartal auf 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro), das war eine Verzwölffachung im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Umsatz zog um 39 Prozent auf 52,9 Milliarden Dollar an, die Aktie stieg im nachbörslichen Handel um 4,1 Prozent.

Amazon war in den 90er Jahren als kleiner Online-Buchhandel gestartet und ist heute einer der größten Internetkonzerne der Welt. Die Produktpalette und Aktivitäten von Amazon hat Konzernchef Jeff Bezos über die Jahre ständig ausgeweitet, er selbst ist heute der reichste Mensch der Welt. Das Unternehmen durchdringt mittlerweile etliche Lebensbereiche - neben dem Online-Handel gehören dazu auch das boomende Geschäft mit Cloud-Diensten und Künstlicher Intelligenz sowie Streamingangebote und die Lieferung frischer Lebensmittel.

Bezos nutzte die Vorstellung der Zahlen für ein Lob des digitalen Assistenzsystems Alexa, das ebenfalls stark zur Unternehmensentwicklung beiträgt. "Wir möchten, dass Kunden Alexa nutzen können, ganz egal wo sie sich befinden", sagte er. Die Zahl der Geräte und Anwendungen, die mit Alexa kompatibel und steuerbar sind, habe sich im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht.

Auch die "Prime"-Sparte von Amazon boomt. Die mittlerweile weltweit 100 Millionen zahlenden Mitglieder profitieren hier unter anderem von Videos, Musik und einem Gratisversand.

Amazon hatte in seinen Anfangsjahren wenig bis gar keinen Gewinn erzielt, in der jüngsten Vergangenheit aber große Sprünge gemacht. Für das laufende Quartal erwartet Amazon ein Umsatzplus von bis zu 31 Prozent und ähnliche Gewinnsteigerungen. Bei Handelsschluss am Donnerstag wurde der Marktwert des Konzerns mit 877 Milliarden Dollar bewertet - damit ist Amazon dem Internetkonzern Facebook und vor allem der Google-Mutter Alphabet dicht auf den Fersen. Keines der drei Unternehmen knackt derzeit aber die Billionenmarke.

Trotz seiner enormen Unternehmensgröße und seines bereits erzielten Wachstums habe Amazon "keine Schwierigkeiten gehabt, erneut gute Zahlen vorzulegen", erklärte der Experte Neil Saunders von der Analysefirma GlobalData zu der Performance des US-Konzerns. Der Erfolg von Amazon sei vor allem darin begründet, dass die Firma "wie keine andere" auf Innovationen setze und einfach neue Dinge ausprobiere. Diese Kreativität sei der Schlüsselfaktor für das anhaltende Wachstum von Amazon, analysierte Saunders.

Nach Einschätzung des Forschungsunternehmens eMarketer dürfte Amazon seine Einnahmen aus dem elektronischen Handel in diesem Jahr um über 28 Prozent auf 394 Milliarden Dollar steigern. Damit stünde Amazon für 49 Prozent des Einzelhandels in den USA.

Amazon wurde in der Vergangenheit auch immer wieder zur Zielscheibe von Kritik von US-Präsident Donald Trump. Dieser warf dem Onlinehändler vor, zu wenig Steuern zu zahlen und der heimischen Wirtschaft zu schaden. Auch in Deutschland ist Amazon nicht unumstritten - immer wieder gibt es Streiks in Logistikzentren. Die Gewerkschaft Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.


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