26.07.2018, 11:58 Uhr

Hamburg (AFP) Junger Syrer wegen mutmaßlicher Planung von schwerem Bombenanschlag vor Gericht

Der Angeklagte (verpixelt) neben seinem Verteidiger. Quelle: dpa/AFP/Markus Scholz (Foto: dpa/AFP/Markus Scholz)Der Angeklagte (verpixelt) neben seinem Verteidiger. Quelle: dpa/AFP/Markus Scholz (Foto: dpa/AFP/Markus Scholz)

Terrorprozess in Hamburg begonnen - Verdächtiger lebte in Schwerin

Wegen der mutmaßlichen Planung eines verheerenden Bombenanschlags muss sich ein junger syrischer Asylbewerber aus Mecklenburg-Vorpommern seit Donnerstag vor dem Hamburger Oberlandesgericht (OLG) verantworten. Laut Bundesanwaltschaft wollte der 20-Jährige einen Sprengsatz in einer Menschenmenge zünden und hatte zum Zeitpunkt seiner Festnahme bereits mit Versuchen zur Sprengstoffherstellung begonnen. Zum Verfahrensauftakt wurde nur die Anklage verlesen.

Der Mann war Ende Oktober vergangenen Jahres von Spezialkräften der Polizei in Berlin festgenommen worden, lebte aber in Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Zuvor waren Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam geworden und hatten ihn ständig genau überwachen lassen. Der Anklageschrift zufolge hatte er mit dem islamistischen Gedankengut der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat sympathisiert und wollte vor diesem Hintergrund einen Bombenanschlag verüben.

Demnach verschaffte er sich über das Internet Informationen zur Herstellung des oft von Dschihadisten verwendeten hochexplosiven Sprengstoffs Triacetontriperoxid, der aus verschiedenen Grundchemikalien selbst hergestellt werden kann. Drei Monate vor seiner Festnahme begann er mit der Beschaffung der Grundstoffe und unternahm mindestens fünf Versuche zur Produktion der Substanz.

Laut Anklage schätzte der Beschuldigte diese Versuche selbst als Fehlschläge ein und versuchte daraufhin, im Internet zusätzlichen Rat einzuholen. Eine genaue Analyse zeigte aber, dass er zumindest eine "Spur" des Sprengstoffs herstellte. Ob er sich schon für einen konkreten Anschlagsplan entschied, ist unklar. Der 2015 eingereiste Flüchtling, dem Anfang 2016 eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wurde, befindet sich seit seiner Festnahme durchgehend in Untersuchungshaft.

Für den Prozess sind zunächst Termine bis Oktober angesetzt. Das Hamburger OLG ist aufgrund einer Justizkooperation zwischen den beteiligten Bundesländern auch für Staatsschutzverfahren aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Bremen zuständig.


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