25.07.2018, 12:06 Uhr

Quetta (AFP) Anschlag mit 30 Toten überschattet Wahl in Pakistan


106 Millionen Pakistaner zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen

Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen hat ein Selbstmordattentat mit mindestens 30 Toten die Parlamentswahl in Pakistan überschattet. Der Attentäter habe sich in die Luft gesprengt, als Polizisten versucht hätten, ihm den Zugang zu einem Wahllokal in der Provinz Baluchistan zu verwehren, sagte ein Verwaltungsbeamter am Mittwoch. Insgesamt waren bis 15.00 Uhr MESZ rund 106 Millionen Wähler aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Erste Ergebnisse werden im Verlauf des Abends erwartet.

Bei dem Selbstmordattentat in der Stadt Quetta im Südwesten Pakistans wurden mindestens 30 Menschen getötet und 35 weitere verletzt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Bei einem weiteren Vorfall in Baluchistan war zuvor ein Polizist getötet worden, als eine Handgranate auf ein Wahllokal geworfen wurde. In der nordwestlichen Stadt Swabi wurde ein Mitarbeiter der Partei des ehemaligen Cricketstars Imran Khan laut Polizei bei einem Schusswechsel mit Anhängern einer rivalisierenden Partei getötet.

Von den 207 Millionen Einwohnern Pakistans waren rund 106 Millionen aufgerufen, die Abgeordneten für die nächste Legislaturperiode von fünf Jahren zu wählen. Mehr als 19 Millionen neue Wähler hatten sich für die Wahl registriert.

Der Wahlkampf war von massiver Gewalt geprägt. Mehr als 175 Menschen wurden bei mehreren Anschlägen getötet, unter ihnen drei Kandidaten.

Die Wahl fand unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen statt. Landesweit waren mehr als 370.000 Militärangehörige und 450.000 zusätzliche Polizisten im Einsatz, um die Sicherheit an den mehr als 85.000 Wahllokalen zu gewährleisten.

Der Wettbewerb konzentrierte sich zuletzt auf zwei Parteien: die Regierungspartei Muslimliga-Nawaz (PML-N) des vor knapp zwei Wochen inhaftierten ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif sowie die oppositionelle Tehreek-e-Insaf (PTI) Khans.

Der ehemalige Cricketstar und Playboy Khan hat gute Chancen, der nächste Premierminister Pakistans zu werden. Die Verurteilung und Festnahme des langjährigen Regierungschefs Sharif wegen Korruptionsvorwürfen hat die Chancen der PML-N deutlich geschwächt. Sein Nachfolger und Bruder Mian Mohammad Shahbaz Sharif gilt zwar als guter Geschäftsmann, ist aber weniger charismatisch.

Der 65-jährige Khan gab seine Stimme in einem Vorort der Hauptstadt Islamabad ab. Es sei Zeit, "Parteien niederzustimmen, die dieses Land jahrelang als Geisel genommen haben", sagte er den Medien.

Khan biederte sich nach Ansicht von Kritikern auf der Suche nach Stimmen zuletzt islamistischen Hardlinern an, indem er Pakistans umstrittene Gesetzesparagrafen zur Gotteslästerung verteidigte. Auch sein Plan, den Dialog mit gewalttätigen Aufständischen wie den Taliban zu suchen, erntete Kritik.

Die PML-N beschuldigte das Militär, die Wahl zugunsten seines Fürsprechers Khan zu manipulieren. Der massive Truppeneinsatz sowie die Entscheidung der Wahlbehörden, den Soldaten weitreichende Rechte in den Wahlkabinen einzuräumen, nährten diese Sorge. Das Militär hat in Pakistan traditionell großen Einfluss und regierte das Land etwa die Hälfte seines 71-jährigen Bestehens.


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