24.07.2018, 11:41 Uhr

Brüssel (AFP) EU belegt Elektronikanbieter wegen Fest- und Mindestpreisen mit Geldbußen

EU-Kommissarin Vestager. Quelle: AFP/Archiv/JOHN THYS (Foto: AFP/Archiv/JOHN THYS)EU-Kommissarin Vestager. Quelle: AFP/Archiv/JOHN THYS (Foto: AFP/Archiv/JOHN THYS)

Brüssel: Millionen Europäer mussten zu hohe Preise für Geräte zahlen

Die EU hat Geldbußen gegen vier Hersteller von Elektronikgeräten verhängt, weil sie ihre Online-Einzelhändler zu Fest- oder Mindestpreisen gezwungen haben. Gegen die vier Firmen Asus, Denon & Marantz, Philips und Pioneer sei eine Buße von insgesamt über 111 Millionen Euro verhängt worden, teilte die EU-Kommission am Dienstag mit. Demnach führte die Praxis "für Millionen Verbraucher in Europa zu höheren Preisen für Küchengeräte, Haartrockner, Notebooks, Kopfhörer und viele andere Produkte." In drei Fällen war auch Deutschland betroffen.

Der Markt für Online-Handel habe inzwischen ein Volumen von über 500 Milliarden Euro pro Jahr, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die vier Firmen beschränkten demnach die Möglichkeiten ihrer Online-Einzelhändler, Preise für gängige Elektronikprodukte eigenständig festzulegen. Hielten sich die Verkäufer nicht an die Vorgaben, hätten die Hersteller sie "Drohungen oder Sanktionen" ausgesetzt, wie etwa einem Belieferungsstopp.

Die Praxis gegenüber den Online-Einzelhändlern habe sich laut Kommission auf den gesamten Internet-Handel ausgewirkt. Denn viele Anbieter setzten Preisalgorithmen ein, "durch die ihre Einzelhandelspreise automatisch an die Preise der Wettbewerber angepasst werden".

Im Falle des taiwanischen Herstellers Asus betraf die Praxis von 2011 bis 2014 "bestimmte PC-Hardware und Elektronikprodukte wie Notebooks und Displays" auf den Märkten in Deutschland und Frankreich. Denon & Marantz mit Sitz in Japan habe zwischen 2011 und 2015 in Deutschland und den Niederlanden Preisbindungen für Kopfhörer und Lautsprecher eingeführt.

Auch bei Lautsprecheranlagen und Hi-Fi-Geräten von Pioneer war Deutschland unter den zwölf betroffenen Ländern. Der Fall Philips bezog sich dagegen nur auf Frankreich.

Die höchste Buße musste Asus mit 63,5 Millionen Euro zahlen. Es folgten Philips (29,8 Millionen Euro), Pioneer (10,2 Millionen Euro) und Denon & Marantz (7,7 Millionen Euro). Wegen Zusammenarbeit mit den EU-Wettbewerbshütern bekamen alle Firmen 40 Prozent Nachlass, Pioneer sogar 50 Prozent.

"Personen und Unternehmen, die von dem beschriebenen wettbewerbswidrigen Verhalten betroffen sind, können vor den Gerichten der Mitgliedstaaten auf Schadensersatz klagen", erklärte die Kommission. Sie verwies dabei auf eine 2014 verabschiedete Richtlinie zu Verstößen gegen das Kartellrecht, die Klagen erleichtere.


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